nun bin ich definitiv ferienreif. wie seit vielen jahren fahre ich, um den schwedischen sommer zu geniessen, in den norden.

für twitterer ist es schwierig, in die ferien zu gehen. denn der 140-zeichen-kanal kennt keine ferien(ab)meldung. email-freunde haben es da einfacher: schalter zu, riegel rein – und schon wird jede(r), die/der mich kontaktiert, in kurzform über die abwesenheit informiert. blogger haben es am einfachsten: sie können sie gleich per post abmelden. die regelmässige leserschaft ist dann hinreichend ins bild gesetzt, wenn sie dringend was sucht.

meine tage in der schweiz sind gezählt. heute schaue ich in der nachbarschaft noch fussball. „argsui“, wie das in der kurzform des microblogging neudeutsch heisst. allzu patriotisch nehme ich das nicht; wenn es guten fussball gibt, freue ich mich über jeden, der dazu was beiträgt. egal in welchem team das der fall ist. ich weiss, starke fussball nationen sind nicht glücklicher, und wenn nur ganz kurz! am 1. august bin ich auch nicht in der schweiz. keine verweigerung! in kreuzlingen hätte ich gar die grosse 1. august-rede halten können. ein biz gereizt hätte mich die herausforderung schon. 800 bis 1000 angekündigte zuhörerInnen hat man als redner ja nicht immer.

allen chancen zum trotz: ich mache ferien. auf mich wartet holzhausen. irgendwo in den unendlichen wäldern mittelschwedens, am rande des langen klarälvtals. bin gegenwärtig an den letzten reisevorbereitungen, einen monat in in der pampa zu verbringen, will vorbereitet sein. mehr verrate ich, fast schon traditionsgemäss, nicht. denn es gehört dazu, dass das private private bleibt, und ferien sind nun mal privatsache.

öffentlichkeit, wie es die kommunikationswissenschaft heute benennt, gibt es in holzhausen nicht. am ehesten noch haben wir massenmedienzugang, seit in der nähe eine satellitenschüssel eingerichtet wurde. einen fernseher haben wir selber aber nicht. versammlungen mit rednern, zuschauern und so, der zweiten form von öffentlichkeit, bin ich in 15 jahren holzhausen noch nie begegnet. wenn es sowas ähnliches mal gab, dann nur, weil ein bauernhof eingangen war, und es eine versteigerung gab. das lockt regelmässig viele leute an, die für wenig geld viel hausrat kaufen wollen – oder auch ganz einfach mal andere menschen, mit kind und kegel, treffen möchten.

die dritte, einfachste form der öffentlichkeit, findet sich in holzhausen auch nicht wirklich. begegnung mit fremden menschen, sei es in restaurants, beim warten auf die fähre, oder beim wasserschöpfen an eine quellwasser, sind in schweden nicht angesagt. das hat nicht einaml mit der mentalität der leute zu tun. vielmehr hat es einfach zu wenig menschen: bewohnerInnen, arbeiterInnen oder auch gäste auf einem quadratkilometer sind 10 mal seltener als in der schweiz. als nachbarn bezeichnet man in holzhausen schnell einmal ein person, die 30 oder 50 kilometer entfernt wohnt. zu fuss eine tagesstrecke. mit dem fahrrad über schotterstrassen bisweilen nicht weniger. trifft man sich dennoch einmal zu tee oder kaffee, bleibt das eben privat. für den gezielten austausch an informationen über bären, niederländische auswanderer oder deutsche lamazüchter im umfeld einer tagesdisanz reicht das. auch ohne dass dritte, beobachter eben, dabei sein müssen oder können.

das öffentlichste an holzhausen ist wohl mein stadtwanderer blog, mit spezieller rubrik schweden. denn seit vielen jahren berichte ein wenig über das hüttenleben in schweden. wie die natur ist, wie der mensch sie zur kultur umgestaltet, und wie die die natur in form von wald wieder alles zurückerobert. manchmal gibt es auch erlebnisse von allgemeinen interesse. debatten unter uns über das unmittelbare hinaus, von dem man annehmen kann, dass es andere auch interessiert. das kann man das bloggen. oder ausflüge, die einen begeistern, weil es soviel unbekanntes zu sehen gibt im lebensraum wald. auch das kann mitteilenswert sein.

wenn der internetzugang es erlaubt, werde ich auch dieses jahr bloggen. wenn’s interessiert, der/die sei willkommen auf meiner grossen plattform der kleinen welten, die mein leben ausmachen. emailen lässt man im juli lieber sein, ich werde es nicht intensiv nutzen. und von twitter soll man in diesen tagen nicht allzu viel halten. denn was ich bis anfangs august stadt/landwandere, werde ich nicht vertwittern. in der hoffnung es bleibe mehr als halbprivat …

stand(land)wanderer (während den letzten reisevorbereitungen)


Comments

2 Comments so far

  1. Eva Sundin on Juli 4, 2014 17:03

    Ich werde ab und zu Ausschau halten hier nach den Värmländska Nyheter!

  2. cal on Juli 10, 2014 17:15

    schön, habe nun wieder ein notebook, und kann schreiben.
    das mit dem ipad war nicht so toll.

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