Heute jährt sich der Todestag des Berner Revolutionärs Samuel Henzi zum 269. Mal. Ein Rückblick.

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Das Theater
Es ist der 17. Juli 1749. Der mächtige Schultheiss thront hoch über der Berner Gerechtigkeitsgasse. Vor ihm steht der Angeklagte. Nicht weniger als den Umsturz der gottgewollten Ordnung wird ihm vorgeworfen. Alle wissen: Darauf steht der Tod. Der Schultheiss hat das Recht, die Hinrichtung anzuordnen. Und er sollte nicht zögern! Vollstreckt wird die Hinrichtung von Samuel Henzi ausserhalb der Stadt.
Die Kunde über den Tod des Schriftstellers verbreitete sich schnell, denn Henzi war weitherum bekannt. Der junge Gotthold Ephraim Lessing konzipierte umgehend ein Drama, das er später als Theater-Fragment veröffentlicht.
Auch von Henzi wird posthum ein Drama erscheinen: „Grisler. L’Ambition Punie“ wird 1762 gedruckt. Es handelte von Wilhelm Tell und Wilhelm Tell. Es ging um den Mord an einem Tyrannen. Geschrieben hatte es Henzi während seiner Zeit in der Verbannung. 1744 wurde er aus seiner Vaterstadt ausgewiesen, weil er sich in Schriften aufgelehnt hatte. 1748 wurde er begnadigt. Danach strebte er eine untergeordnete Stelle an der Berner Burgerbibliothek, die ihm jedoch verweigert wurde. Henzi verbündete sich in der Folge mit bürgerlichen Gesinnungsgenossen. Doch er wurde verraten, eingekerkert, gefoltert und vor den Schultheiss gestellt.

Die Pax Helvetica galt nur für die Oligarchen
Die Zeit nach dem Frieden von Aarau im Jahre 1712 gilt in der Schweizer Geschichte als „Pax Helvetica“, denn der Landfrieden beendete die fast zweihundert Jahre dauernden, bisweilen kriegerischen Spannungen zwischen Katholiken und Reformierten. Nach anfänglichen Niederlagen gewannen die reformierten Orte Zürich und Bern. Die beiden Konfessionen waren seither gleichwertig.
Es folgte das friedliche Zusammenleben der vormals verfeindeten Oligarchen: Wechselseitig achtete man die Herrschaftsrechte, Entscheidungen wurden partitätisch beraten und Lösungen im friedlichen Einvernehmen gesucht. Hierfür wurde man im 18. Jahrhundert mit einem wirtschaftlichen Aufstieg belohnt. Deshalb kapselte man sich zusehends ab. „Freiheit und Gleichheit“, hiess es auf dem Berner Schultheissen-Stuhl. Doch es sollte die Freiheit der Freien, und die Gleichheit der Gleichen bleiben. Teilen mochte man die Privilegien mit den Ewigen Einsassen und Hintersassen nicht. Und schon gar nicht mit solchen, die nichts von der gottgewollten Herrschaft hielten.

Die Erinnerung bleibt
Henzis geschriebenes Drama ist bis heute in Bern nie aufgeführt worden. 1991 sendete es Radio DRS wenigstens als Hörspiel. Henzis erlittenes Drama kehrt jedoch immer wieder in unsere Erinnerung zurück.
Dem Theater, das in seiner Zeit so anrüchig war, ebneten die revolutionären Franzosen 1798 den Weg. Guillaume Tell wurde von ihnen gar zum Symbol der Helvetische Republik gegen die alte Eidgenossenschaft erhoben.
Besser noch hätten sie Samuel Henzi dazu bestimmt. Denn er ist ein frühes Zeichen für die Auflehnung der Berner Bürger gegen die Berner Patrizier. Deren Herrschaft basierte wie in allen Ständegesellschaften auf lang gepflegten Familienbanden, kaum nachvollziehbaren Wahlen und einer Oeffentlichkeit, die auf Sparflamme gehalten wurde. Das war das Gegenteil der kommenden Gesellschaft, mit freien Bürgern, demokratischen Wahlen und freier Presse.
Der heutige 17. Juli, der Tag seiner Hinrichtung, sei deshalb Samuel Henzi gewidmet.

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