Vor dem Wohnhaus von Niklaus Manuel, genannt Deutsch.

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Die Reformation
1517 begann im Kaiserreich die Reformation: Zuerst war sie nur eine Erneuerungsbewegung der Kirche, schliesslich endete sich in einem monumentalen europäischen Krieg. Der begründete jedoch typische Regeln Europas im Umgang mit Glaubensfragen.
Martin Luther, Professor für Theologie, kritisierte in Wittenberg den Anlasshandel der Kirche: der katholischen Lehre stellte er die lutheranische gegenüber. In Zürich lehnte Huldrich Zwingli alle überhöhten Formen der Tradition ohne Bibelbelege ab. Entsprechend nüchtern sollten die evangelischen Kirchenhäuser ausgestattet werden.
Der Humanismus war ein wichtiger Hintergrund der Veränderungen. Er bezog sich auf die Antike und rückte den Menschen ins Zentrum. Bei den Intellektuellen zog das. Geändert hatte sich die Städte, vielerorts übertraf eine neue Bürgerschicht alten Landadel an Reichtum. Schliesslich wäre die Reformation ohne den Buchdruck nicht denkbar gewesen. Die Neugläubigen nutzen dessen Möglichkeiten eifrig zur Popularisierung ihrer Ideen.
Auslösendes Moment war der Krieg um Italien. Begonnen hatte er 1494, sein Ende war 1544. Luther war in dieser Zeit als Pilger in Rom gewesen und kam erschreckt zurück. Zwingli war länger als Feldprediger bei den eidg. Söldnern tätig; auch ihn prägten die Erlebnisse. Beide Reformatoren trafen sich 1529 in Marburg zu Religionsgesprächen, die jedoch an unterschiedlichen theologischen Auffassungen, vielleicht auch an der Sprache scheiterten.
Im Kaiserreich war Luther die bestimmende Figur der Reformation. Zwar stand auch Zwingli in Zürich im Zentrum, doch hatte jede grössere Stadt ihre eigenen Erneuerer. In Bern waren das Pfarrer Berchtold Haller und Kleinrat Niklaus Manuel. Der erfolgreichste Reformator war Jean Calvin. Seine Lehre war radikal, eine „Reformation der Reformation“, die sich von Genf aus über die halbe Welt ausbreiten sollte.

Der grosse Krieg
Die katholische Kirche reagierte mit der Gegenreformation. Theologisch argumentierte man auf Konzil von Trient zwischen 1546 und 1563. Politisch handelte Kaiser Karl V., indem er die Rekatholisierung vorantrieb.
Im 30jährigen Krieg von 1618 bis 1648 was alles war gegen den Habsburger-Kaiser gerichtet. Die Kriegshandlungen erfolgten überwiegend auf seinem Reichsgebiet. Hungersnöte und Seuchen verstärkten das fürchterliche Elend. In einzelnen Gebieten starben bis zu zwei Drittel der BewohnerInnen.
Geregelt wurde der Konflikt in zwei Schritten: 1555 im Augsburger Religionsfrieden und 1648 im Westfälischen Frieden. In der Eidgenossenschaft waren dies der Landfrieden von Kappel 1531 und der Frieden von Aarau 1712, der den Villmergenkrieg beendete.

Die Reformation in der Eidgenossenschaft

Zürich hatte gerade ein Pestjahr hinter sich, als Huldrich Zwingli mit seinen Predigten begann. Etabliert hatte sich die Stimmung, die Eidgenossen seien ein von Gott auserwähltes Volk gewesen, abr vom richtigen Weg abgekommen. Gefordert wurde eine Umkehr.
Die Zürcher Disputation von 1523 brachte den Durchbruch in der Limmatstadt. 1528 folgte ihre die Aarestadt nach der Berner Disputation mit Zwinglis Beteiligung.
Die Durchsetzung der Reformation war insbesondere im Oberland nicht einfach. Mehrfach bot man die Landleute auf, um sich in Volksversammlungen zum neuen Glauben zu bekennen. Jedes Mal scheiterte die Obrigkeit, bis sie die Reformation mit militärischem Zwang durchsetzte.
Spannungen gab es auch zwischen dem neugläubigen Zürich und den altgläubigen Innerschweizern. 1529 drohten sie sich in einem konfessionellen Krieg zu entladen. Die legendäre Kappeler Milchsuppe zeugt von einer erfolgreichen Vermittlung. Doch nur zwei weitere Jahre später kam es in Kappel am Albis zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Zürchern und Innerschweizern. Zwingli fand hier den Tod.
Der Landfrieden von Kappel bestimmte, dass es in jedem Ort nur eine Konfession geben sollte. Zürich und Bern waren evangelisch, die Innerschweiz katholisch. In Glarus blieb die Situation unklar. In den 1560er Jahren kam es fast zu einer Teilung, in Appenzell war dies 1597 nicht mehr zu vermeiden.
Namentlich die Gegenreformation führte zu einem Streben nach Vereinheitlichung der lokal stark ausdifferenzierten reformatorischen Regeln. Der Bremgartner Heinrich Bullinger zeichnete sich sowohl bei der Entwicklung einer Grundlage für die evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz wie auch bei der der Vereinheitlichung der reformierten Lehre im Kaiserreich aus. Dank ihm kam es auch zu einer Verständigung zwischen Zwinglianern und Calvinisten.

Der westfälische Friede und der Sonderweg Franrkeichs
Mit dem Westfälischen Friede machten drei Prinzipien in Europa Schule: Gemäss dem ersten bestimmte der jeweilige Herrscher die Konfession seiner Untertanen. Das zweite legte getrennte Beratungen Politik und Gerichten nach Konfessionen fest. Entscheidend war das dritte: Demnach sollte nicht der Stärkere entscheiden, sondern eine gütliches Einvernehmen zwischen den Konfessionen gesucht werden.
Die beiden ersten Prinzipien hatten sich bereits nach dem Kappeler Landfrieden auch in der Eidgenossenschaft entwickelt. Das dritte sollte nach dem Schlachtensieg der Zürcher und Berner im zweiten Gefecht von Villmergen folgen – und als friedliche Kompromissuche stilbildend werden.
Anders verhielt sich Nachbar Frankreich. Mit der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 wurde der Katholizismus einzige Religion des Landes. Das löste eine grossen Bewegung flüchtender Hugenotten aus. Viele kamen zu Glaubensbrüdern nach Genf. Die katholischen Orte weigerten sich, die Flüchtlinge mit falschem Glauben aufzunehmen, während die evangelischen unter Führung Berns einen Verteilschlüssel für die rund 60000 Hugenotten aushandelten. Nach der Hungersnot von 1695 mussten jedoch viele das Land Richtung Preussen verlassen, und Bern siedelte einen Teil der Verbliebenen in den Untertanengebieten um. Namentlich in der Waadt, entwickelte sich so ein unternehmerischer Geist, der den Stadtbernern abgehen sollte.

Was bleibt?
Mit der Reformation übernahm Zürich die Führung in der Eidgenossenschaft, allerdings zum Preis der inneren Spaltung. Dieser Konflikt grub sich tief in das Kollektivbewusstsein der Schweiz ein.
Mit der Säkularisierung der ging uns der religiöse Kontext der Konsenssuche vergessen. Dennoch, nach den Partikularismen vor dem 15. Jahrhundert, dem Krach unter Verbündeten seit dem 15. Jahrhundert entwickelten namentlich die Intellektuellen des ausgehenden Ancien Régimes eine neue politische Kultur, die der Einheit in der Vielfalt, welche die Schweiz neu verbinden sollte.

Stadtwanderer

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