tiomilaskogen (10-meilen-wald) (dagens nyheter, 9. teil)

der schwedische wald zwischen hagfors im süden und malung im norden hat einen eigenen namen. tiomilaskogen nennt man ihn, den 10-meilen-wald. und er verdient diesen namen, denn er gehört in der weiteren umgebung zu den grössten, zusammenhängenden wäldern. dabei darf man die schwedische meile nicht mit der amerikanischen verwechseln. keine 1609 m lang ist sie, sondern glatte 10 kilometer. oder anders gesagt, tiomilaskogen ist der hundert-kilometer-wald.


übersicht über den 100-kilometer-wald, in dem seit 2004 das grösste kulturfestival der region stattfindet; 2006 nahmen mehr als 6000 besucher an den ausstellung, konzerten und treffen teil.

mitten drin liegt holzhausen, wo wir, wie schon so oft, unsere schwedischen sommerferien verbracht haben. natürlich heisst holzhausen in tat und wahrheit nicht holzhausen. vielmehr hat der malerische ort seinen schwedischen namen. den sage ich aber nicht. das pseudonym erhielt er, um unerkannt zu bleiben. denn es war ein kompromiss zwischen bloggen während den sommerferien und wahrung der anonymität, die so schwindet.

dass ich hier zum abschluss über den tiomilaskogen berichte, hat einen ganz anderen grund. in den letzten jahren hat sich die bevölkerung des waldes, die administrativ zwischen värmland und dalarna getrennt lebt, aufgerafft, einmal im jahr einen grosses gemeinsames fest zu begehen. gefeiert wird am letzten wochenende im juli, und das wohl nicht aus zufall: in vielen frühen zivilisationen markiert die wende ende juli, anfangs august häufig auch den moment, wo man mit dem ernten beginnt. wenn es einmal richtig regnet, ändert auch das klima. der wind wird herbstlich, die vögel ziehen in den süden, und die birken verlieren ihre ersten gelben blätter. das alles feiert man!


erste eindrücke vom kulturfestival im tiomilaskogen: kunstproduktion, elchessen, eisenherstellung und natürlich promi lars mortimer, der unser hälge-buch widmet (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

wenn die schweden durchs jahr eher introvertiert sind, dann kehren sie bei solchen gelegenheiten wie dem fest im 10-meilen-wald ihr ganzes leben nach hausen. jedermann und jedefrau zeigt sich. es passt niemand. sind die strassen sonst häufig menschleer, hat es an diesem wochenende plötzlich autos vor dir, hinter dir und im gegenverkehr. doch man zeigt nicht nur sich und seinen waagen. an diesem fest stellt man gut und gerne auch die ganze sitzkombination vom wohnzimmer in den garten. auf der wiese stehen sie dann, das sofa, die sessel und der esstisch. und alle sind geladen, sich zu setzen. die gewagtere variante ist, dass man gleich ein kleines gasthaus für ein wochenende eröffnet. auf der veranda oder unter einem baldachin serviert man dann herrliche gerichte des nordens, etwa älg, elch, mit schwedischen kartoffeln, preiselbeeren und einer sämigen sosse. und ein wenig cassissaft dazu.

die leute kommen bisweilen von weit her am kulturfest des 10-meilen-waldes. von stockholm oder anderen städten, wo sie wohnen und arbeiten, treffen sie ein. denn sie haben im 10-meilen-wald ihre heimat. ihre grosseltern lebten dort, ihre eltern besassen noch deren haus, und jetzt schaut man im sommer nach ihm. und es kommt auch prominenz ans fest. der bekannteste teilnehmer ist meist lars mortimer. in schweden kennt ihn ein jeder und eine jede. kein tag vergeht, ohne dass er seine ketzerischen karikaturen von elchen zeichnet, und mit schöner regelmässigkeit ihre jäger verulkt. seine elche sind wahre persönlichkeiten: sie sind mal aufgeweckt, mal schlapp. sie spielen auf der ganze klaviatur der gefühle, sind sind beherrschend und erwarten mitleid. auf jeden fall sind sie aber viel, viel intelligenter als jeder meint. sie können einfach fast alles, sicher viel mehr als die jäger. so raffieniert diese auch sind, sie werden ein jedes mal überlistet.


typisch lars mortimer: sein hälge siegt in jeder situation über seine jäger.

lars stellt einige seiner karten, posters, und orginale seiner comis in einem einfachen stall, der eilends gesäubert wurde, aus. er kommt mit seiner schweren maschine von einem töff gleich selber. nicht nur zur vernissage. im stall empfängt er, fast ein wenig wie der könig des waldes, die ganze gästeschar. sie stehen an, schauen gespannt auf die bilder an den waenden und freuen sich, in den kolonne nach vorne zu rücken. an der spitze angekommen mustert der künstler jeden gast einzeln. er will den namen wissen, woher man komme, und vielleicht auch, ob man sein neuesten buch schon habe. dann nimmt er den schwarzen filzstift zur hand und widmet einem jeden, der die kolone überstanden hat eine postkarte oder auch ein buch. bei uns schweizern zögert er einen moment. ja, deutsch könne er schon, aber unsere sprache, das überfordere ihn definitiv. ob wir allem rätoromanisch sprechen würden, will er scherzeshalber wissen. und man merkt es: die welt der jagd kennt sich über alle landesgrenzen hinweg. natürlich lädt er sich mit seiner widmung gleich zu uns in die schweiz ein, auf einen besuch unter jäger-touristen!

doch wir wollen noch etwas bleiben, den abschied von schweden so gut wie möglich geniessen. eine kleine siedlung rund um einige prächtige höfe herum, nimmt uns wohlig auf. hier kann man fast alles haben, was kultur ausmacht: künstler, die ihre unaufdringlichen bilder von naturschönheiten ausstellen, genauso wie silberschmiedInnen, die vor ort ihr handwerk ausüben, über stoffmacherinnen, die ihre riesigen bettdecken verkaufen wollen, bis hin zu köhlern, die das alte handwerk der eisengewinnung noch selber beherrschen, sind hier. sie alle lehren uns die älteste bedeutung des wortes kultur: das elementare wissen, das die menschen in jahrhunderten, seit sie sesshaft geworden sind, entwickelt haben, weiter pflegen, das tradierte zeigen und auch weiterentwicklungen unter die staundenen nachbarn bringen. uns freut das sehr, dass der 10-meilen-wald, unser hort der natur, nun sich immer mehr auch zum hort der kultur wandelt.


mein abschiedsbild vom diesjährigen sommer in schweden: ein alter saab, der für mich so viele zurückliegende vorstellung von schweden beinhaltet (foto: stadtwanderer, anclickbar)

am meisten beeindruckt hat mich am schluss aber ein alter schwedischer saab. vom modell her aus den 50er jahren. weiss in der farbe, wie wenn er direkt aus dem schneegestöber käme. und von einer elegante schwere in der form fast so, wie wenn ganz schweden in ihm stecken und auf den durchbruch nach süden warten würde.

nun steht er einfach da, d a s symbol des schwedens, das ich kannte, bevor ich das land kennen lernte.

waldwanderer

ps:
vielleicht ist das eine erklärung dafür, dass ich an diesem tag so gebannt vor dem saab stand. mein absurdester traum diesesm jahr im tiomilaskogen ging so: ich bin in einer stadt. es hat zwei hochhäuser. sie stehen in einem schmutzigen hinterhof von brooklin, indem einige kids spielen. die stimmung ist gewalttätig. dann knallt einer mit einem palstikspielzeug etwas in die luft. es ist ein flugzeug, das direkt auf die beiden turmhäuser rast. doch bevor das flugzeug ankommt, einschlägt und alles zerstört, steht er da: michael schuhmacher. er ist fast so gross wie die hochhäuser, und er hält das bedrohliche plastikzeugt mit einer hand auf. er zerquetscht es, und wirft es achtlos in eine ecke des hinterhofes. fast wie king kong. dann geht er, in seinem feuerfesten overall, ins hotel nebenan. sein überkleid ist, anders als man es sich gewohnt ist,ganz in weiss. nur zwei rote bändel hat es, die seinen schultern entspringen und verwirrlich nach unten hängen. ich arbeite im hotel und erkenne schuhmacher sofort. ich trete mutig vor ihn und frage ihn, ob ich seine roten bändel richten dürfe. sie würden mich irritieren. ich sei schutzputzer, und könne das sicher geschwind. ich versuche, sie links und rechts entlang seines körpers zu bündeln und dann zusammenzufassen, aber ich bin nicht geschickt genug. doch michel ist grosszügig, er hilft mir, einen festen knopf zumachen, damit alle enden wieder verbunden sind.

erst als ich selber im flugzeug sitze in den süden sitze, erinnere ich mich daran, dass michael schuhmacher auch werbung für die schweizer bauern macht. warum ich aber gerade von ihnm träumte, ist schon sonderbar. für den waldwanderer, der nicht autofahren kann, schon fast ein gespenstisch urbaner (alb)traum. vielleicht bin ich halt doch der stadtwanderer …

die ganze sommerserie dagens nyheter (tagesneuigkeiten)

nachtrag, das internet cafe von ekshärad
allemannsrätt (das gemeingebrauchsrecht)
se pa mig, taenk po dig (sieh mich an und denk an dich!)
wieder zurück
digerdöd (pesttod)
jedem gps überlegen: unsere schwalben
fälschlicherweise vorveruteiltes schweden
smörgasgurka (schwedengurken)
in sven-eric’s land

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

2 Gedanken zu „tiomilaskogen (10-meilen-wald) (dagens nyheter, 9. teil)“

  1. Ich wusste gar nicht, dass du so gefühlvoll über ein auto schreiben kannst, aber noch weniger wusste ich, dass du von michael schumacher träumst!! Der ganze Traum passt irgendwie nicht zu dir, schon gar nicht du als kleiner Schuhputzer. Hoffentlich bleibt dieser traum dein absurdester traum in diesem jahr.
    Schön dass du wieder da bist als stadwanderer.
    Monique

  2. naja, man lernt immer dazu. zuerst ich selber. es gibt ja menschen, die mich ganz ordentlich kennen, die sagen, ich sei schizo: das einzige was mich am tv wirklich interessiere, seien autorennen. ich bestreite das natürlich vehement. – du weisst ja wohl auch, was mein erstes wort war, das ich sprach: auto! um nicht ganz verlegen zu sein, übersetze ich es heute aus dem griechischen: selbst (ist der mensch!).
    ich weiss natürlich auch, wie du reagiert hast, als dein sohn, der ja auch gerne tv guckte, seine ersten wort sprach: halb schwedisch soll es gewesen sein und verdächtig nach \\\\\\\"stenmark\\\\\\\" getönt haben.
    da sagt nur: stossen wir an, auf den schwedischen winter!!!

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