Mrz
10
bären als cashcows?
März 10, 2010 | 1 Comment
sie sind supersüss. doch rentieren sie nicht, sagt man in bern. und ich frage mich: müssen bären wirklich einen finanziellen gewinn bringen?

tolles bild vom bebilderer von urs, berna und björk ..
meine ganz persönliche freude am neuen bärenpark habe ich ja schon mehrfach öffentlich gemacht. mit der geburt von urs und berna ist diese nicht minder geworden.
umso mehr stutze ich über anschauungen, die man am bärenpark gelegentlich hört, und die eingang gefunden haben in die lokale presse.
der bund beklagte im winter, die bären würden sich zu wenig zeigen, die attraktion, die von ihnen ausgehe, würde sich mindern und die zuschauerströme gingen schon wieder zurück. dass bären winterschlaf halten, und björk trächtig war, wurde kaum thematisiert.
die bz nun stört sich, dass die beiden jungbären keinen gewinn bringen würden. die zuschauerströme hätte zwar schon wieder zugenommen, würden aber nicht richtig vermarktet. so bleibe es beim jööh-effekt, ohne dass man damit kasse mache.
bin ich nun ganz falsch gewickelt, oder sind solche auffassung nicht schlicht und einfach deplatziert?
haben wir den bärenpark nicht als tolles erlebnis verdient, muss er auch gleichzeitig rentieren?
sind bären keine bären mehr, sondern die melkkühe der stadt?
und: wie weit sind wir eigentlich schon fortgeschritten, in unserer ökonomisierung der welt, welche die erwartungen an tiere schon total unterandert hat?
bitte, helft mir, mit meinen zweifeln umzugehen!
stadtwanderer
Mrz
7
bvg-abstimmungsinterna
März 7, 2010 | 1 Comment
es war ein arbeitstag in zürich. ganz schön anstrengend. nationale abstimmungen sowie kantonale und städtische wahlen standen im zentrum des interesses. vieles ging mir an diesem nachmittag und abend durch den kopf, vor allem zum bvg.

peter salvisberg, mein gesprächspartner vom k-tipp, der bei seinem tod von der kanzel verkündet haben will, die erfolgreiche bvg-nein-kampagne initiiert zu haben.
nach 16 uhr hatte ich eine verschnaufpause. die verbrachte ich am buffert im studio leutschenbach.
dem hat man letztes jahr ein sparrunde verordnet. seither gibt es keinen wein mehr. ramseier-apfelsaft, cola-zero und blötterliwasser müssen genügen.
ich stand hinter ruedi rechsteiner und rita schiavi an, die eben den linken sieg in der bvg vorlage vor laufender kamera gefeiert hatten. die nette dame hinter der theke freute es offensichtlich. sie wandte sich kurz ab, und zog eine flasche guten roten hervor, den sie breitwillig ausschenkte.
als aus dem studio ging, merkte ich, heute kaum die sonne gesehen zu haben. am morgen früh, als ich im zug nach zürich fuhr, schneite es unentwegt. am abend dann wikte die sonne nur noch im gegenlicht. einige kamine schloteten über der stadt, die eben eine verstärkt rotgrüne regierung gewählt hatte.
auf der rückfahrt nach bern erinnerte ich mich an eine begegnung im abstimmungskampf mit peter salvisberg. früher war der studierte ökonom romandie-korrespondent von radio drs gewesen, dann stieg er bei swissinfo hoch hinauf und wechselte schliesslich als geschäftsführer zum k-tipp.
bei dieser auflagenstarken konsumentInnen-zeitung war er für die lancierung des referendums gegen die senkung des bvg-umwandlungssatzes an vorderster front tätig gewesen. die gewerkschaften hätte er zuerst überzeugen müssen, hier opposition zu machen, erklärte er mit selbstbewusst. die politische kraft gehe heute nicht mehr von den parteien aus, vielmehr von den medien, die themen lancieren und entwickeln können.
und, fügte er bei, für den fall, dass er am abstimmungssonntag recht bekommen sollte, wolle er, dass dereinst der pfarrer von der thuner kanzler bei seiner grabrede verkünde, niemand anders als der verstorbene hätte seinerzeit die bewegung ausgelöst, welche die verringerung der rentenleistungen mindestens aufgehalten habe …
stadtwanderer
Mrz
5
die mutter aller städte
März 5, 2010 | Leave a Comment
früher war sie meine büronachbarin, jetzt ist sie die mutter aller städte.

renate amstutz, die direktorin des schweizerischen städteverbandes
renate amsutz kommt aus köniz. in bern studierte sie wirtschafts- wissenschaften und soziologie. letzteres brachte uns ein erstes mal näher. 1980/1 waren wir als kleine hilfsassistentInnen büronachbarn im institut für soziologie der uni bern. dann trennten sich die wege. ich wechselte in die politologie und in die forschung. renate ging in die privatwirtschaft, dann zur sbb, schliesslich zum kanton bern. jetzt ist sie direktorin des schweizerischen städteverbandes.
da haben sich unsere wege via “stadtwanderer” wieder gekreuzt. bei der neupositionierung des verbandes habe ich ihr ein wenig geholfen. denn renate wurde 2008 die chefin der interessenorganisation der schweizer städte.
nun sagt sie: drei viertel der schweizerInnen leben in einer agglomeration. 84 prozent der ökonomischen wertschöpfung werden dort generiert. doch in der politik ist es umgekehrt. die 14 kleinen, mehrheitlichen ländlichen kantone können via ständerat blockiert, obwohl sie nicht mehr einwohnerInnen haben als die 13 grössten stadtgemeinden zusammen.
und das ist typisch: für den bund sind die kantone fast ausschliessliche ansprechpartner. die wiederum wenden sie an die gemeinden. zu denen die städte gehören. immerhin sie sind nicht mehr einfach im gemeindeverband organisiert. sie haben den städteverband gegründet. und sie wollen jetzt ihr lobbying gegenüber bundesbern erhöhen.
der “handelszeitung” dieser woche verrät die engagierte städterin, dass sie bei amtsantritt im vorvorjahr glaubte, die landwirtschaft und das militär können sie gleich von ihrer agenda streichen. doch oha lätz: der erste anruf, den sie als direktoriun von einem medium bekam, betraf den umgang der städte mit dem neuen wachbefehl der schweizer armee vor botschaften. und renate wäre keine bernerin, würde sie nicht auch einen link zur landwirtschaft finden. “ohne land gibt es keine stadt” formuliert sie, “und ohne stadt kein land.”
sekundäre urbanisierung nannten wir das in den seminarien für soziologie, die wir gemeinsam besuchten. gemeint war, dass sich bei alle differenz im landschaftlichen vor allem via medien die lebensweise in den zentren immer mehr in die peripherie verlagert. dabei ändert sich aber der blickwinkel, der in der schweiz so typisch vom land ausgeht und auf die städte schaut. mit der sekundären urbanisierung blickt man auch von der stadt aufs land, weil sich alles dem leben in den städten angleicht.
wenn das mal überall bewusst sein wird, wird der mutter aller städte ihre aufgabe in der schweiz erfüllt haben.
stadtwanderer
Mrz
4
heikle begriffe richtig verwenden
März 4, 2010 | 3 Comments
in seiner kritik der reinen vernunft schreibt der deutsche philosoph immanuel kant: “Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.”

nichts gehört und nichts gesagt … und nichts gedacht, wenn’s doch einmal passiert. die stiftung gegen rassismus klärt uns über heikle begriffe auf.
kant ging es um die zusammenhänge zwischen erscheinungen und begriffen einerseits, die wir haben und verwenden, wenn wir über dinge sprechen, und den anschauungen, die dahinter liegen und unsere kategorien des denkens in raum und zeit bestimmen.
genau diesen nimmt die zürcher stiftung gegen rassismus und antisemitismus (gra) in ihrem neuesten glossar auf. dabei geht es um politisch begriffe, deren hintergründe heikel sind und deren verwendung nur reflektiert erfolgen sollte.
selbstredend gehören jude/jüdin, endlösung und nazi dazu. doch es finden sich auch wörter, die heute geläufiger sind behandelt, wie asylant, islamismus, kosmopolit, mischling, rasse oder selektion.
erstellt wurde das elektronische wörterverzeichnis für journalistInnen, lehrkräfte, schülerInnen, studierende, politikerInnen und politisch Interessierte, wozu stadtwandererInnen selbstredend zählen. mit dem glossar können sie die herkunft, aktuellen bedeutungen und konnotationen von historisch und aktuell belasteten oder vermeintlich belasteten wörtern schnell und einfach abfragen.
die einträge sind kurz und knapp gehalten und beschränken sich auf die wesentlichsten angaben zum jeweiligen Begriff. doch genau das macht das kleine wörterbuch als rasche informationsquelle besonders nützlich.
die definitionen werden von erfahrenen medienschaffenden, historikerInnen in zusammenarbeit mit der universität basel erstellt und können unter gra-glossar bequem abgerufen werden.
sodass man sich in heiklen sachen keine patzer durch selbstverschuldete unmündigkeit mehr leistet!
stadtwanderer
Mrz
2
“Das ist Schönfärberei.”
März 2, 2010 | 3 Comments
der konter zur attacke von volkswirtschaftsdirektor andreas rickenbacher auf die bernischen wirtschaftsverbände liess nicht lange waren. adrian haas, direktor der handels- und industrievereins wirft der rotgrünen mehrheit regierungsrat in der heutigen berner zeitung schönfärberei vor.
nestbeschmutzer nannte regierungsrat rickenbacher (sp) gestern seine kritiker. sie würden den kanton schlecht reden, und das auf ungeischerter basis. adrian haas (fdp), der verfasser der kritisierten broschüre meint in der heutigen bz dazu: “Wenn man die Leute, die schonungslos aufzeigen, wo die Probleme liegen, als Nestbeschmutzer bezeichnen will, kann man das.”
eine ursache des zwists zwischen regierung und verbänden basiert auf unterschiedlichen quellen. die regierung liess die einkommensbelastung durch steuern durch die bak basel abklären. dabei wurden mittelwerte berechnet. der hiv berücksichtigt dagegen die belastung einer speziellen familie mit zwei kindern und 150′000 chf einkommen. im ersten fall ist der kanton im mittelfeld, ohne dass man wirkliche trends kennt. im zweiten fall figuiert er im schlussdrittel, tendenz sinkend.
einig ist man in beiden expertisen, dass die verkehrserschliessung der kantons in den letzten jahren gelitten hat, was die standortattraktivität mindert. gross sind dagegen die differenzen in der sichtweise auf die steuerpolitik. die regierung verweist auf fortschritte, die bürgerlichen exponenten auf verhinderte vorhaben. beim interkantonalen finanzausgleich stelle die regierung auf die pro-kopf-zahlungen, während die verbände auf die gesamtsumme insistieren.
adrian haas weiss, der eine bürgerliche regierung nicht alles anders machen würde, doch glaubt er an eine bessere stimmung, wenn es eine andere mehrheit in der regierung gäbe. o-ton in der bz: “Ich sage nicht, dass mit einer bürgerlichen Regierung alles realisiert werden könnte. Aber ich wehre mich, wenn man sagt, im Kanton Bern sei alles wunderbar und die Standortbedingungen seien besser geworden. Das stimmt einfach nicht.”
stadtwanderer
Mrz
1
“Das ist Nestbeschmutzung”
März 1, 2010 | 3 Comments
huch, da habe ich mich zu früh über den lahmen wahlkampf im kanton bern beklagt. heute liesst volkswirtschaftsdirektor andreas rickenbacher von der sp den bernischen wirtschaftsverbände gehörig die leviten.

andreas rickenbacher weist gut bernisch den weg nach links, die wirtschaftsverbände sehen das genau umgekehrt
«Was man sagt, muss wahr sein», zitiert die berner zeitung in ihrem heutigen portrait regierungsrat rickenbacher. und was die wirtschaftsverbände dieser tage in die bernischen haushalte verschicken lässt, verstösst arg dagegen. o-ton des sozialdemokraten: die verbände der arbeitgeber, der unternehmer, der hauseigentümer und der bauern «schummeln und machen den Standort Bern wider besseres Wissen schlechter, als er ist»,
ihr gemeinsamer prospekt propagiert die wahl der fünf bürgerlichen kandidaten für die regierungsratswahlen vom 28. märz. damit treten sie geeinter auf als die parteien, die nominiert haben. um ihrer forderung nachdruck zu verleihen, legen die verbände dar, wo rot-grün dem kanton geschadet habe.
andreas rickenbacher hält kräftig dagegen. bei der steuerbelastung werde mit zahlen operiert, deren herkunft unklar sei. der unterstellte 23. rang im eidgenössischen vergleich stimme nicht. dafür verweist er auch die jüngste studie von der bak basel, die bern bei der Belastung des einkommen auf platz 15 aller kantone aufführt.
und der erboste regierungsrat ergreift gleich die offensive: unter den bürgerlich dominierten regierungen von 1994 bis 2006 seien die steuern in einer legislatur nie so stark gesenkt worden wie jetzt unter der rot-grünen.
rickenbacher weiss, dass der kanton bern strukturschwäüchen hat, jedoch nicht erst, seit die regierungsmehrheit gekehrt habe. sein fazit: «Dass aber die Wirtschaftsverbände für den kurzfristigen Wahlerfolg unser Ansehen aktiv beschädigen, verstehe ich nicht. Das ist Nestbeschmutzung.»
stadtwanderer
Feb
28
im banne des schwesternstreits zwischen svp und bdp
Februar 28, 2010 | 1 Comment
in einem monat wählt der kanton bern seine regierung und sein parlament neu. der wahlkampf ist flau gestartet; es interessiert vor allem, ob die bdp in der regierung bleibt, oder die svp den verlust durch die parteiabspaltung von 2008 wett machen kann.

sorgen für ein bisschen spannung: svp-regierungs-ratskandidaten, welche die bdp aus der berner kantonsexekutive verdrängen wollen.
alles begann mit einem überraschenden artikel in der berner zeitung. demnach geht es bei den kommenden wahlen im kanton bern nicht darum, welches lager die mehrheit stellt. der rotgrüne sieg bei den regierungsratswahlen wurde nämlich einfach vorweggenommen. vielmehr interesse, war da zu lesen, der zweikampf zwischen beatrice simon (bdp) und albert rösti (svp) um die nachfolge des zurücktretenden finanzministers urs gasche, 2006 als svp-vertreter gewählt wurde, dann aber zur bdp übertrat.
nun greift auch die heutige nzz am sonntag die focussierung des eher flauen wahlkampfes auf das duell zwischen svp (”goliath”) und bdp (”david”) auf. wenn sich zwei streiten, leiden die anderen, ist da zu lesen. fdp und sp dürfen sich in einem artikel beklagen, der mediale wahlkampf ziehe an ihnen vorbei. für die grossratswahlen verheisse das nichts gutes. anders sehe es bei den regierungsratswahlen aus. besitzstandwahrung mangels alternativen ist die losung.
dafür spricht, dass die svp und die bdp alle mittel mobilisieren, die aurmerksmakeit auf sich zu ziehen. die svp wirbt seit anfang jahr auf dem land fast flächendeckend für ihre beiden regierungsratskandidaten christoph neuhaus und albert rösti auf plakaten. die präsenz ist so auffällig, dass die vermutung die runde macht, die rechnung hierfür zahlen man in herrliberg. dem widerspricht die parteispitze vehement. man habe mit einem bettelbrief, unterzeichnet von alt bundesrat adolph ogi mehr 100′000 franken spenden gesammelt. und für die stimmung in den sälen sorgte der aktuelle svp-bundesrat ueli maurer, der 25 auftritt im dienste der partei absolviert.
bei der bdp tingeln alt-bundesrat samuel schmid und evelyne widmer-schlumpf durch die berner lande. letztere hat ihren einsatz zwei monate vor der wahl zurückgehfahren, genau so, wie es das regelement der bundeskanzlei für bundesräte im wahlkampf will. schmid dagegen geht gerne in die gemeinden, in denen die bdp keine abspaltung der svp, sondern die nachfolge ist. dann spricht er vor den gleichen leuten wie 2007, mit dem gleichen rahmenprogramm wie damals, nur das er sich jetzt für die bdp wirbt.
im schwersternstreit geht vor allem die fdp unter. dass sie mit sylvain astier einen sitzgewinn im berner jura anstrebt, bemerkt man kaum. und es gelingt der partei auch nur eingeschränkt, ihre position gegenüber den beiden neuen parteien, der bdp und den grünliberalen klar zu machen. letzteres gilt auch für die sp, die mit der neuartigen plakatserie der sp schweiz für sich wirbt, aufgrund des nationalen trends jedoch risikiert, durch erfolge der grünliberalen elektoral gestutzt zu werden.
so bleibt einen monat vor der wahl folgende bilanz: der eigentliche wahlkampf wird wohl erst nach dem eidgenössischen abstimmungssonntag in einer woche so richtig losgehen. die bisherige aufmerksamkeit konzentriert sich nicht wie üblich auf die auseinandersetzung zwischen links und rechts, was deren mobilisierung generell erschwert. vielmehr interessieren die neuen parteien, die den sprung den in den grossen rat schaffen werden. unsicher bleibt allerdings, ob es der bdp reicht, erstmals aufgrund einer wahl in die bernische regierung einzuziehen. vielmehr könnte es auch sein, dass das regierende bürgerliche lager wegen streichaktionen vor allem zwischen svp und bdp neu aus zwei svp und einem fdp vertreter besteht, und damit in der 7 köpfigen bernern kantonsregierung weiterhin in der minderheit bleibt. trifft das ein, wird man schnell über die zukunft der bdp auf nationaler ebene zu spekulieren beginnen.
stadtwanderer
Feb
27
die mobiliar und die standortattraktivität der region bern
Februar 27, 2010 | 2 Comments
urs berger ist ceo der mobiliar. und mischt sich in der heutigen berner zeitung in die debatte um bern als wirtschaftsstandort ein, und schlägt einen umfassenden massnahmenplan für die stärkung der region bern vor.

der charme der berner altstadt genügt für den wirtschaftsstandort nicht, kritisiert urs berger, ceo der mobiliar, und entwirft ein eigenes programm.
die mobiliar mit rund 4000 mitarbeitenden ist eines der aushängeschilder von nationaler bedeutung in der berner wirtschaft. die genossenschaftlich organisierte versicherung schafft seit über 180 jahren wert in der stadt und entwickelte sich dabei zu einem der kräftigsten steuerzahler. mit ihren 82 selbstständigen generalagenturen wirkt sie zudem als botschafterin in der ganzen schweiz.
urs berger beklagt, dass neuansiedlungen von grösseren unternehmen in bern kaum erfolgen. vordergründig kennt er dafür die nachstehende mängelliste:
. die internationalen verkehrs- und transportanbindungen von bern sind ungenügend.
. es fehlen günstige rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen erfolg und behörden, die sich entschlossen dafür engagieren.
. bewilligungs- und verwaltungsverfahren sind schwerfällig und langwierig.
. er vermisst eine effiziente dialogplattformen zwischen politik, wirtschaft und wissenschaft.
um gegensteuer zu geben, konkretisiert berger die probleme anhand der mobiliar. uerst braucht bern mehr wohnraum. man sei auf gut ausgebildete fachkräfte angewiesen, welche in bern wohnen möchten. doch da fehle es an platz – und sauberkeit, schiebt der wirtschaftsvertreter nach.
die region bern müsse zudem steuerlich attraktiver werden. konkurrenzfähige steuersätze seien die wichtigste voraussetzung. es brauche aber auch ein modernes kommunikationskonzept, das erzielte fortschritte bekannt mache.
im bildungsbereich mit ausgezeichneten kompetenzzentren für human- und zahnmedizin, recht, öffentliche verwaltung, klimatologie brauche es auch betriebswirtschaftliche institute von internationaler prägung und modernes innovationsmanagement. dazu gehört auch eine vereinfachung der zusammenarbeit von wirtschaft und wissenschaft, die mit dem neuen universitätsgesetzt erreicht werden müsse.
die berner wirtschaft schätze sportliche aushängeschilder wie YB, SCB, BSV sehr. auch international beachtete sportereignisse wie die euro 08, die eishockey-wm oder ein boxkampf um den wm-gürtel liessen Bern in hellem licht erstrahlen. doch müsse davon eine nachhaltige wirkung ausgehen. da fehle es an kongress-lokalitäten, an hotelbetten, internationalen verkehrslinien und eventhallen mit mit modernster technologie. dazu zähle auch ein kulturangebot auf ansprechendem niveau.
an der mobiliar solle es nicht liegen, schreibt urs berger: am 28. august werde büne huber mit patent ochsner gemeinsam mit dem berner symphonieorchester über den bundesplatz rocken!
stadtwanderer
Feb
21
nachwuchs im berner bärenpark
Februar 21, 2010 | 2 Comments
was man schon länger erwartete, wurde heute bestätigt: björk, die bärin im berner bärenpark, hat zwei junge zur welt gebracht, die wohlauf sind. vater ist finn.
björk hielt sich diesen winter in der öffentlichkeit sehr zurück. von finn getrennt, weilte sie im winterschlaf. in den letzten wochen fiel dann die live-kamera auf internet aus. es gäbe beschläge auf der linse, hiess es.
heute bestätigte bernd schildger, der direktor der anlage, den wahren grund. erstmals im neuen bärenpark gab es nachwuchs. wohl schon im dezember des vergangenen jahres warf björk zwei kleine bären. 300 gramm wogen sie wohl bei der geburt. zwischenzeitlich sind sie schon gewachsen, 3,5 kilo und 35 zentimeter schwer resp. lang sollen sie sein.
und munter: im interview mit der tagesschau bestätigt der tierpark-chef, dass die jungen, die, sollten sie ein männchen und ein weibchen sein, urs und berna heissen werden, weniger schlafen als ihre mutter, den ganzen tag auf ihr rumturnen und prächtig wachsen. schon bald sollen sie die höhle verlassen können.
und das ist die andere botschaft, die bernd schildger dem interessierten publikum zuruft. bären verdienen respekt. es sind wildtiere, die vorsichtig sind, und genau registrieren, was rund um sie herum geht. fühlen sie sich bedroht, können sie ihre jungtiere auch fressen.
also, freuen wir uns alle auf den nachwuchs, und bestaunen wir ihn so, dass er ganz gross und stark wird, wie björk und finn.
stadtwanderer
Feb
19
der feuerlöscher-tag
Februar 19, 2010 | 2 Comments
es war der 19. februar 1803, als napoléon bonaparte der schweiz in paris die “Acte de Médiation” übergab. damit setzte der erste konsul der franzosen einen vorläufigen schlussstrich unter die gescheiterte helvetische republik. am 10. märz 1803 trat louis d’affry, der freiburger schultheiss, der die mediationsakte in die schweiz brachte, das amt des landammanns an, dem neu geschaffenen höchsten posten im schweizerischen staatswesen an.
mit der mediationsakte blieb die schweiz ein satellitenstaat frankreichs. doch die innere struktur änderte vom zentralismus zum föderalismus. anders als im ancien régime vor der revolution wurden die unterschiede zwischen den ständen nicht wieder eingeführt. vielmehr galt nun die gleichheit unter den 19 kantonen, die an der schweizerischen eidgenossenschaft teil hatten.
die mediationsakte vermittelte in der schweiz, die nach den fünf jahren der revolution, der kriege und der wirtschaftsnot und der staatsstreiche und des bürgerkriegs innerlich geschwächt war. das volk hatte genug von feuer, das politisch und militärisch entfacht worden war, und leid ins land getragen hatte. deshalb war es für die neuerung aus paris bereit. diese ermöglichte den alten schichten die rückkehr in ihre ämter, und liess aus ihnen und der führungsschichte der helvetik eine neue, national gesinnte elite werden.
beibehalten wurde mit der mediationsakte progressive politiken, wie der aufbau des schulwesens. so förderten die kanton gymnasien und lehrerseminare. man begann mit der korrektur der linth, nicht zuletzt um überschwemmung und seuchen zu vermindern. und, das vergisst man gerne: die gebäudeversicherungen sind die wohl bleibendste leistung der jungen schweizerischen eidgenossenschaft. denn diese hat nicht nur die inneren spannungen befriedet. sie hat auch dazu geführt, dass wir mit den ursachen und folgen wirklicher feuerbrünste besser umgehen können.
etwas, das man gerade heute, dem tag, an dem der startschuss zu diesem grossprojekt gegeben wurde, nicht vergessen sollte.
stadtwanderer
Feb
18
die letzte zähringerin
Februar 18, 2010 | 1 Comment
sie ist die letzte, die den titel “von zährignen” trug. bis heute weiss man fast nichts über die unglückliche clementia aus burgund an der seite des städtegründers berchtold v. von zähringen.

schloss burgdorf, das witwengut des letzten zähringers berchtold v. für seine frau clementia, der unglücklichen herzogin von zähringen.
man schrieb den 18. februar des jahres 1218, als berchtold v., der herzog von zähringen, starb. genau wo das geschah, weiss man bis heute nicht. doch vermutet man seine burg in freiburg im breisgau, denn dort lebte der adlige in seinen letzten jahren vorzugsweise. und im münster der schwäbischen stadt liegt er, anders als seine vorfahren, die im kloster st. peter im schwarzwald beerdigt wurden, bis heute begraben.
mit dem tod des herzogs tritt seine frau erstmals in den überlieferten akten auf. clementia stammte aus dem burgundischen adel. ihr vater, stephan, war graf von auxonne gewesen, und ihre mutter, beatrice, kam aus der herrscherfamilie in chalons. wann geheiratet wurde, ist unbekannt. doch wurde clementia damals schloss burgdorf und anverwandte güter als morgengabe überreicht. beim tod des herzogs wurde daraus das witwengut, das ihr ihre finanzielle existenz sichern sollte.
das passte mindestens einem der beiden erben des letzten zähringers, dem schwäbischen grafen egino von urach, nicht. vermutlich war er es selber, der die herzogswitwe gefangen setzen und hand auf schloss burgdorf legen liess. graf werner von kiburg, der andere zähringererbe, war am objekt ebenfalls interessiert. 1224 ging er, der die güter berchtolds in burgund erhalten hatte, in die stadt an der emme, um demonstrativ als graf in burgdorf zu urkunden.
ende jahr griff der junge deutsche könig heinrich in die nahltenden streitigkeiten ein. bei seinem aufenthalt in der reichsstadt bern bestimmte er, clementia sei sofort freizulassen. ihr witwengut sei ihr zurück zu geben, oder es sei ihrem vater in auxonne auszuhändigen. doch clementia kam nicht auf dauer frei, sodass 1235 kaiser friedrich II. in die erbstreigkeiten rund um schloss burgdorf eingreifen musste. wiederum erkannte man im grafen von urach den schuldigen, und wurde die freigelassene clementia als erbin bestätigt.
bis heute weiss man nicht, ob clementia ihre erbe in burgdorf je nochmals angetreten konnte. denn die unglückliche herzogswitwe verschwindet mit diesem schiedsspruch aus den annalen der geschichte, ohne dass man weiss, wann und wo auch sie gestorben ist. bekannt ist nur, dass ihre beiden kinder schon vor dem tod des herzogs verstorben waren, vermutlich vergiftet wurden, – und es würde nicht überraschen, wenn auch sie opfer einer intrige um macht unter verwandte gewesen wären.
so bleibt die nur schwer fassbare clementia die letzte überhaupt, welche die bezeichnung “von zähringen” trug.
stadtwanderer
Feb
13
wie ein hamster
Februar 13, 2010 | 11 Comments
es waren nicht meine tage. dabei freute ich mich so auf den 1000. blogbeitrag. hier ist er!

eigentlich begann alles harmlos. ich biss auf ein stück brot. da ging einer meiner backzähne unvermittelt in brüche. zwar hatte ich schon davon gehört, dass zähne beim harmlosen kauen zerfallen können, doch geglaubt habe ich das bis diese woche nicht wirklich.
am freitag dann hatte ich einen termin, um den zahn ziehen zu lassen. und eigentlich ging auch das ziemlich schnell. spritze, zange, ab. doch es kam nicht der ganze zahn heraus, denn der war so spröde, dass er abbrach. in der folge mussten die wurzeln einzeln gezogen werden. und das war nicht ohne, vor allem die letzte.
zuhause im bett begann das loch in den zähnen der linken obern backenreihe übel zu bluten. es war, wie wenn ein schlauch geplatzt wäre und der englische garten unfreiwillig gespritzt würde. der zahnarzt vertröstete via telefon zuerst, das sei unüblich, werde sicher bald aufhören. nach zwei stunden war dem nicht so, und ich machte mich erneut in die stadt auf.
auf dem zahnarztstuhl angelangt, erkannt man dann die ungewöhnliche situation. ein chirurgischer noteingriff wurde nötig. und ich musste zum einem spezialisten hierfür. der fackelte nicht lange, und nahm umgehend eine blutstillung mit einer strompistole vor. nach 30 minuten löten war alles vorbei.
dachte ich. denn wieder zuhause angelangt, überfiel mich der ganze stress vom tag. nie mehr würde ich brot essen wollen, schwor ich mich. bis ich der hunger übermannte.
nun sitze ich da, gucke ein wenig vorschauen auf vancouver und habe dicke backen. und ich studiere über den besten titel für den 1000. beitrag auf dem stadtwanderer: zum beispiel “hartes brot, das ich da ass”, “die schnauze voll (blut)”, “unter strom” oder “der zahn der zeit”. schliesslich bin ich für den, der am realistischsten ist: “wie ein hamster”, schreibe ich, denn ich habe ich habe links eine schwellung, und rechts getünkelte brot, das mich stärkt.
stadtwanderer
Feb
5
das konzert als lebensform
Februar 5, 2010 | Leave a Comment
es war in den 70er jahren, als ich sie zum ersten mal an einem konzert sah. gestern kam es zum vorläufig letzten zusammentreffen mit den “Dubliners” im berner kursaal.
foto: stadtwanderer
unweigerlich kamen erinnerungen an meine jugendzeit auf. der subkulturelle protest gegen die bürgerliche lebensweise, die suche nach den unverfälschten wurzeln unserer zivilisation und der genuss der zeit ohne geld, aber mit vielen ideen wurden wach.
keltische musik bot in den 70er jahren hierfür viel raum. irish folk war hoch im kurs. “clannad”, “the chieftaines” und die legendären “dubliners” zählten zu den favoriten, denen man stundenlang auf dem plattenteller zuhörte. nach irland gings auch in den ferien, und in dublin besuchte man das guiness-pub, in dem die legendäre gruppe bei saufgelagen und seemannsliedern 1962 entstand.
barney mckenna ist der einzige, der von den vier gründungsmitgliedern noch lebt. seit 47jahren steht er ununterbrochen auf der bühne. genauer gesagt sitzt der heute 70jährige zwischenzeitlich mehr. doch wehe, wenn er ein banjo zwischen die finger bekommt. dann legt er unweigerlich los, spielt solo und zieht – wie gestern abend die vielleicht 1000 zuschauerInnen – samt und sondern in seinen bann.
mit den vier neubesetzungen haben sich die dubliners verändert. aus wuschelköpfen sind graumeliertes haare mit bart geworden. der stil ist weniger rau, weniger hart und weniger spontan. dafür sind die songs sinnlicher, verspielter und melodiöser geworden. wohl sind auch die umstände anders: der nordirlandkonkflikt lenkte ende der 60er jahre die aufmerksamkeit auf die entfernte insel, und die sympathien lagen dankt tagi-korrespondent samuel plattner eindeutig bei den iren. denn in ihrem keltentum vermutete man einen teil der vermissten anfänge von kultur, die durch herrschaft nicht überformt war. wenn nur die briten nicht gewesen wären.
gestern abend feierte ein bunt gemischtes publikum, das jung und alt, stadt und land verband, mit stehender ovation die gäste aus der irischen hauptstadt. die politische botschaft ist von der bühne gewichen, geblieben ist die faszination ihrer musik. denn die dubliners haben das konzert zur eigentlichen lebensform entwickelt – und werden wohl auch dann noch um die halbe welt ziehen, wenn barney mckenna einmal kein banjo mehr spielen und kein “whiskey in the jar” mehr singen kann.
stadtwanderer
Feb
3
das politikzentrum mehr schärfen.
Februar 3, 2010 | 1 Comment
“Die Hauptstadtregion Schweiz” will durch themen- und projektbezogene Zusammenarbeit die Interessen von Kantonen und Städten im Zusammenarbeitsraum rund um die Schweizer Hauptstadt bündeln.” das steht im schlussbericht von ad!vocate und und ecoplan zuhanden der behördendelegation, bestehend aus stadt und kanton bern.

ziel des berichtes zur hauptstadtregion schweiz ist es, die position als region auf der ebene von metropolitan- regionen zu stärken und dabei die spezifischen stärken des raumes einzubringen, um die drei metropolitanregionen zu verbinden.
der bericht selber, eben veröffentlicht, ist breit angelegt, sachbezogen erarbeitet und gibt eine gründliche übersicht über das bestehende. er listet auch auf, was zu tun ist.
unübersehbar ist aber, dass er grosse hoffnungen eher dämpft: in der schlussempfehlung steht: “Es ist wichtig, dass sich das Projekt als schlankes Netzwerk versteht und sich auf jene Aktivitäten beschränkt, die den beteiligten Partnern wirklich einen Mehrwert bringen.”
auch wenn das für ein amtliches papier richtig ist, füge ich bei, dass es wenig visionär wirkt: das eigentliche ziel der zusammenarbeit muss sein, bern als politikzentrum zu stärken. denn genau das ist es, was der schweiz gegenwärtig gründlich fehlt und was die metroregionen zürich, genf-lausanne und basel mit ihrer wirtschaftlichen oder kulturellen ausrichtung nicht besitzen.
hierzu würde man von der behördendelegation gerne noch mehr beispielhaftes erfahren. bern als politikzentrum schärfen ist der einzige wirkliche vorteil, den stadt und kanton als neu gestalteter raum mit anderen einbringen können. und licht in den nebel der politik zu bringen, ist das gebot der stunde!
stadtwanderer
Feb
2
das esch musig!
Februar 2, 2010 | 1 Comment
bern am ende des 15. jahrhundert: das ist eine lebensfrohe stadt mit stolz über sieg im kampf gegen den herzog von burgund. das ist eine marktstadt für das lokale gewerbe wie für den fernhandel aus frankreich und italien. und das ist eine stadt der musik, der gaukler und der pfeifer. in der kirche ertönt die orgel, die chöre erfüllen ihren raum mit gesang, und in den bürgerhäusern horcht man den tönen der instrumente, welche die renaissance verkörpern.

doch in der stadt, die überschwängliche lebte, mehrten sich nach einer generation des überflusses die zeichen der umkehr: die reformation erfasste 1528 die politik und die kirche. die klöster wurden geschlossen, der staat wurde neu geordnet. das leben auf der strasse folgte strengen regeln, fast so wie im hochmittelalter. die künstler verschwanden mit samt ihren werken. singen, tanzen und musizieren wurden bis auf weiteres verboten. sitte und zucht waren wieder angesagt!
doch so ist die geschichte: sie bewahrt die erinnerung an das vergangene im stadtbild, in bibliotheken und in archivschachteln. die musik aus dem spätmittelalter ist zwar verstummt, aber sie ging nicht verloren. sie verbirgt sich immer noch in berns gassen, sie bleibt festgehalten in zahllosen notenbüchern, und sie inspiriert unentwegt die zeitgenössischen mediävistInnen.
zum beispiel in der könizer kirche, dem sakralster, herrschaftlichsten und geheimnisvollsten ort unserer gegend, wo seit diesen tagen eine ausstellung zu spätmittelalterlichen melodien gezeigt wird und ab nächsten sonntag eine serie von vorträgen zum thema mit musikalischen und kulinarischen genüssen.
stadtwanderer
Jan
31
bär beisst löwe
Januar 31, 2010 | 2 Comments
hund beisst katze ist eine schlechte geschichte. besser ist es, wenn die katze den hund kneift.
die heutige sonntagspresse vermeldet, dass der berner wirtschaftsförderung ein überraschungscoup gelingen könnte. die berner regierung will sich für den swiss innovation park bewerben. wie andreas rickenbacher, berner volkswirtschaftsdirektor vermeldete, ist biel/bienne als standort vorgesehen.
auf einer grossen, ungenutzten fläche soll der campus der fachhochschule entstehen, der gleichzeitig kern der forschungsparks werden soll. gehofft wird darauf, dass auch die swatch group ihre forschung in biel/bienne konzentriert.
das nachsehen hätte dübendorf. der militärflugplatz war ursprünglich hierfür vorgesehen. doch zeigt der kanton zürich bisher wenig interesse an der realisierung. und so will nun biel/bienne in die lücke springen.
der zürich fdp-nationalrat ruedi noser lobt: «Bern ist einmal mehr schneller als sein Ruf und überrascht positiv», lässt er sich zitieren. da freut sich der berner bär für das schnippchen, dass er dem zürcher löwens schlagen könnte.
stadtwanderer
Jan
29
paradoxe intervention
Januar 29, 2010 | 3 Comments
eins ist schon länger klar: der entscheidende part in einer fusionsbewegung in der agglomeration bern kommt der stadt köniz zu. jetzt wird köniz ausgerechnet durch bern angestachelt, aktiv zu werden.
köniz kann in sachen fusionen zuwarten und damit bremsen. die stadt risikiert aber, das bern aktiv wird, und die zweite stadt in der agglomeration aussen vor lässt.
köniz kann umgekehrt ausschliesslich mit bern verhandeln, damit das zentrum verstärken, und so den druck auf die aussengemeinden erhöhen.
und köniz kann die grossen nachbargemeinden berns auf ihre seite ziehen, um mit mehr gewicht bern gegenüber auftreten zu können.
letzteres ist für köniz am attraktivsten. 40000 einwohnerInnen bringt man selber ein. fast ebenso viele haben die grossen agglomerationsgemeinden zusammen. das gibt eine tolle verhandlungsmacht gegenüber der hauptstadt mit 130000 einwohnerInnen.
die idee, die köniz auch schon herumgeisterte, nimmt nun ausgerechnet stadtpräsident alexander tschäppät ein. mit einer paradoxen intervention schlägt er vor, köniz, ittigen, ostermundigen und muri sollten zuerst untereinander fusionieren, damit die kernstadt mit der neuen agglostadt kooperieren könnte. das würde in der zusammenarbeit vieles vereinfachen. und im fall einer grossfusion zwischen beiden städten entstünde im zweiten schritt eine neue stadt grossbern mit mehr 200000 einwohnerInnen. diese wäre dann die nummer 2 unter den schweizer städten.
eine gute idee, die da im erlacherhof geboren wurde? – reaktionen sind gefragt, denn jetzt wird’s eins konkreter als bisher!
stadtwanderer
Jan
26
der stadtnomade
Januar 26, 2010 | 7 Comments
1921 kam robert walser 43jährig nach bern. an 15 verschiedenen adressen der bundesstadt sollte er in den folgenden 5 jahren wohnen. das murifeld gehörte ebenso dazu wie die elfenau oder die thunstrasse. ja selbst an der gerechtigkeits-, kram- und junkerngasse hauste der in biel geborene schriftsteller vorübergehend. weil er nie nirgends sitzleder hatte, nannte man ihn auch den stadtnomaden.
robert walser, schweizer schriftsteller, in bern lebend, bevor er in die waldau eingeliefert werden musste
gelebt hatte der junge walser in vielen städten. gelernt hatte er das kaufmännische gewerbe. gereizt hätte es ihn, schauspieler zu werden. bei der probe durchgefallen, sattelte er um und begann zu schreiben. büroangestellte waren sein thema, die er der damaligen zeit folgend “commis” oder auch “gehülfe” nannte und die er als soziologische kategorie in die deutschsprachige literatur einführte.
in bern hatte walser in der person von joseph victor widmann, dem grossen literaturkritiker bei der zeitung “Der Bund”, eine gewichtige stütze, die sich wähnte, den wenig bekannten schriftsteller entdeckt und unter die grossen der deutschen literatur der zwischenkriegszeit eingeführt zu haben.
doch walser konnte davon nicht leben. sein versuch, im berner staatsarchiv ein geregeltes einkommen zu erzielen, scheiterte schnell. dazu schrieb er:
“Mein Bureauchef war neulich riesig artig zu mir, er sagte mir, ich könne nichts. Durft’ ich mir solches gefallen lassen? ‘Ei was’ erweiderte ich, ‘ich kann allerlei, ich kann zum Beispiel abdanken.’
und so war walser wieder auf der gasse, suchte nach dem romanfaden für “Die Räuber”, und verfasste daneben das, was man von ihm heute noch kennt: 1600 texte von literarischem gehalt. alles aus dem werk walsers ist das bei weitem nicht, denn vieles ging verloren, blieb in den anfängen liegen oder erschien irgendwo in einer zeitung, ohne dass jemand noch den überblick hatte.
robert walsers leben und wirken in bern beschreibt nun werner morlang in einem kleinen buch, das jüngst im zytglogge verlag erschienen ist. darin macht sich der ehemalige leiter des robert-walser-archivs auf die spuren des stadtnomaden. fotografien aus der berner zeit des schriftstellers hat er gesammelt, kontroverse zeugnisse über den eigenwilligen menschen hat er niederschreiben lassen, und ein einfühlsames tableau aus dem leben des dichters hat er selber verfasst.
wer das alles liesst, merkt, wie walser ende der 20er jahre litt. die wirtschaftskrise machte ihm zu schaffen, der zeitgeist änderte sich rasch und inspirierte den schriftsteller immer weniger. die strengen konturen der stadt, die walser anfänglich halt geboten hatten, lösten sich auf, der soziale kitt, den er mit kumpanen in den beizen hatte, verflüchtigt sich. und seine psyche erkrankte
von halluzinationen schwer geplagt, von angstzuständen mächtig getrieben, bricht er 1929 erschöpft in sich zusammen.
seine schwester rät ihm, in die waldau, die heilanstalt für nervenkranke, einzutreten. er folgt dem rat, und findet ein neues zuhause. kleinstgeschriebene texte, mikrogramme bezeichnet, verfasste er noch, bis er, 1933 nach herisau übersiedelt wird, wo er aufhörte zu schreiben.
nur noch wanderungen unternahm er am fusse des säntis, bis er 1956 auf einer seinem geliebten, unendlich langen spaziergänge starb.
stadtwanderer
Jan
16
obwohl gerüchte faszinieren, ist es besser, sie zu ignorieren
Januar 16, 2010 | 14 Comments
das plakat enthält leerstellen, die zu einer mehr oder weniger losen kommunikationskette verknüpft werden. was dabei herauskommt ist, das gerücht, das uns immer wieder von neuem fasziniert, das wir aber besser ignorieren sollten.
plakat zur ausstellung: wie ein gerücht entsteht, wovon es lebt, und warum es nichts taugt (foto: stadtwanderer)
eigentlich ist es ein museum. eines für kommunikation. unweigerlich verbinden wir damit eine gesamtschau grosser leistungen. des redens, hörens, schreibens, malens und sehens. die ausstellung “schon gewusst?” des berner museums für kommunikation geht aber nicht dem, sondern mit der fama den niederungen des alltagsgesprächs, den zeitungsenten und den filmsuggestionen nach.
wo menschen miteinander kommunizieren, taucht früher oder später das gerücht auf, heisst es in der ausschreibung zur ausstellung. das ist am familienfest genauso der fall wie im sportklub, im treppenhaus, am stammtisch, auf dem marktplatz, im büro, auf dem pausenhof, im coiffeursalon, am börsenring oder im parlamentssaal.
das gerücht ist weder richtig noch falsch, erfährt man am angang zur ausstellung. hauptsache ist, dass es durch seine flüchtige, vergängliche, unberechenbare form nur schwer kontrollierbar ist. denn genau eröffnet den für gerüchte nötigen raum für interpretationen. und das ist es, was das gerücht nicht wahrer macht, aber warm hält.
ein experte für verschwörungstheorien erklärt in der ausstellung via videobotschaft, warum dieser form des gerüchts nicht verschwindet. gott hat die welt geschaffen, behaupten die religionen. weshalb gibt es dann neben dem guten auch das schlechte in der welt, ist eine häufig gestellte frage. der antworten sind zwei: weil es gott nicht gibt, sagen die atheisten. oder weil es jemanden gibt, der den plan gottes durchkreuzen will, sagen die gläubigen. deshalb brauchen religionen die verheissung und den teufel, der zuschlägt, wenn es zu einem attentat auf würdenträger kommt oder wenn der mensch übergöttliche leistungen erbringt. und das ist die geburtsstunde der verschwörungstheorien.
es gibt auch profanere erklärungen von gerüchten: demnach wurzelt der ursprung des gerüchts in uns selber. denn kommunikation besteht immer aus einem sender und einem empfänger. dass dabei missverständnisse fast unvermeidlich sind, ist eine binsenwahreheit. denn die kommunikation kann die menschlichen empfänger überfordern. und die menschlichen sender können bewusst darauf setzen, falsch verstanden zu werden. je mehr sensation in der luft liegt, je mehr betroffen sein können und je prominenter der durch missverständnisse geschädigte ist, desto schneller verbreitet sich das gerücht, in unseren reden, aber auch in unseren medien, lehrt uns zwischenzeitlich die gerüchteforschung.
gerüchte sind denn auch das älteste medium, das die menschen geschaffen haben.
symbolisch für die absicht der gerüchte-präsentation in bern ist, dass das tragende gerüst der ausstellung aus einem gestell mit dünnen balken und viel luft besteht. es zieht sich durch den ganzen museumsraum wie eine wolke, die zuerst konturen zu haben scheint, doch je näher man kommt, aus lauter löchern besteht. nicht inhalte füllen die wolke im ausstellungsraum, über die man so oder so denken könnte und über deren richtigkeit man sich verständigen könnte. nein, es ist das zischen vieler stimmen auf tonbänder die einem beim rundgang begleiten, deren botschaften man über kopfhörer abhören könnte, ohne dazu wirklich motiviert zu sein.
denn wenigstens in der ausstellung weiss man, dass die verdichteten erzählungen nicht mehr als gerüchte sind.
stadtwanderer
Jan
15
die fortgesetzte geschichtsklitterung
Januar 15, 2010 | Leave a Comment
geschichte ist der bericht über vergangenes mit den augen der jeweiligen gegenwart. das vergisst die neueste publikation aus dem bernischen historischen museum, die der gründung der stadt bern gewidmet ist.
humbert mareschet ist den meisten meiner leserInnen wohl kein begrifft. historikerInnen dürften ihn schon kennen. denn der lyoner maler verfasste zwischen 1584 und 1586 im auftrag der stadt gemälde zur gründung der zähringersiedlung, die in der burgerstube des rathauses ausgestellt wurden. in den 1830er jahren wurden sie als zeugen des ancien régimes entfernt, und sind seither im bernischen historischen museum ausgestellt.
regula luginbühl wirz, kovervatorin an eben diesem museum, hat jüngst ein buch zu diesem zyklus herausgegeben. vorgestellt werden die grossen themen der lokal- und weltgeschichte: die stadtgründung, die rütlischwur, das urteil von könig salomon und anderes mehr. die kunsthistorikerin ist ganz in ihrem element, denn die lebensnahen und symbolträchtigen bilder von mareschet geben zu vielen interpretationen anlass.
und dennoch verfehlt das buch die wichtigste aufgabe der geschichte: zu zeigen, dass gewesene geschichte, die später festgehalten wurde, vor allem über die zeit des festhaltens etwas aussagt, weniger über die, aus dem das festgehaltene stammt. denn genau darin besteht eine der fundamentalen täuschungen ausgemalter geschichten.
so bekommen wir mit dieser puiblikation den ganzen bilderbogen zur gründungslegende noch einmal unkritisch kommentiert vorgeführt: der herzog berchtold von zähringen erteilt den auftrag zur gründung einer stadt an der aare. der erlegte bär gibt der stadt den namen. die zimmerleute richten das holz für die bevorstehenden bauarbeiten. der bau der stadt schreitet voran. die goldene handfeste des kaisers wird in einem feierlichen akt übergeben. seit 1218 hat bern dieses verfassung.
rainer schwinges, emeritierter professor für mittelalterliche geschichte an der uni bern, arbeitete jahrelang über genau diesen vorgang und die dokumente, die es dazu gibt. er zerzauste unsere zu bilder gefestigen vorstellungen von der stadtgründung stück für stück. der hauptpunkt seiner minutiösen sezierarbeit betrifft die handfeste.
denn kaiser friedrich ii. war nie in bern. sein sohn hat die stadt zwar geordnet, ihr einen schultheissen gegeben, die venner bestimmt, welche die steuern eintreiben mussten, und heinrich hat auch das stadtwappen mit dem bären eingeführt. von einer handfeste aber keine spur. vielmehr, sagt schwinges, sei diese, nach dem aussterben der staufer als herzöge von schwaben und römische könige 1254 im kloster frienisberg geschrieben und mit einem geklauten siegeln beglaubigt worden, ohne je einmal tinte der kaiserlichen familie gesehen zu haben. eine verunechtung wirklicher elemente, die zu einem fiktiven zeichen zusammengeführt wurden und so eine vorführung falscher tatsachen oder auch eine fälschung sind, nennt der historiker das.
regula luginbühl wirz zitiert professor schwinges im literaturverzeichnis zwar artig. mit seiner analyse setzt sie sich aber schon gar nicht auseinander. vielmehr erzählt sie die geschichte, wie man sie gerne hört, anhand der bilder mareschets ein weiteres mal nach. was quellenkritik meint, die man im proseminar des geschichtsstudiums lehrt, scheint sie ganz vergessen zu haben.
schade, schade, schade, sage ich da. denn die bilder des grossen künstlers im reformierten bern verlieren als zeugen ihrer zeit nicht an wert, auch wenn man sie ihrer geschichtsklitterung entkleidet!
stadtwanderer
