ein neuer clip auf youtube wirbt für die schweizerische form der direkten demokratie in der ganzen welt. mit dabei ist der stadtwanderer.

“You can’t learn to swinn when you never touch the water”, sagt europa- und nationalrat andreas gross im neuesten clip zur direkten demokratie der schweiz. das ist durchaus als aufforderung verstanden, überall auf der welt mehr volksabstimmungen zu wagen.

clip
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der 5minütige film, konzipiert von der swiss democracy foundation und realisiert von swissinfo, richtet sich an gruppen im ausland, die an der funktionsweise der direktdemokratie interessiert sind. für sie gibt es jeweils rund um eidgenössische volksabstimmungen mehrtägige führungen durch die schweiz, mit erläuterungen zur praxis der volksrechte, aber auch mit viel anschauungsmaterial.

das erlebnis schweiz mit ihren bergen, ihren kulturen, aber auch ihren menschen darf dabei nicht fehlen. ein wenig pr auch nicht: so sind die schweizer reich, gesund und glücklich, heisst es im spot. präsentiert wird dabei auch der unermüdliche tourenleiter bruno kaufmann, schweizschwedischer politikwissenschafter aus dem luzernischen hinterland, heute in falun lebend, der auf dem halben globus für das politische system der schweiz wirbt. dabei geht es weniger um föderalismus, das die schweiz mit zahlreich anderen ländern teilt. vielmehr dreht sich alles um die speziellste eigenheit, die volksabstimmungen.

seit einigen jahren bin ich als stadtwanderer teil dieser führungen. meine tour geht einmal durch die berner altstadt – und einmal durch die geschichte der demokratisierung der schweiz. denn im ancien regime verstanden sich die eidgenossen als republik, mit männlichen oligarchien in patrizischen und zünftischen regierungen, aber auch in den traditionellen landsgemeindekantonen. mit dem etablierung des bundesstaates 1848 wurde die schweizerische eidgenossenschaft eine repräsentative demokratie. volksabstimmungen mussten sich erst noch ihren platz schaffen – zuerst in den kantonen, dann auf bundesebene. seit 1874 kennt die schweiz das gesetzesreferendums, seit 1891 volksinitiativen. mit ihnen setzte sich ein kerngedanke der französischen revolution durch, der regierung des volks durch das volk.

das alles änderte das repräsentative system fundamental, denn es funktioniert auf dauer nur, wenn es auf machtteilung ausgerichtet ist. denn ausgebaute direktdemokratie wirkt systemverändernd. das ist die grosse lehre aus wirtschaftskrisen in den 1880er und 1930er jahren. entsprechend entwickelte sich die zusammensetzung der regierung mit der etablierung von volksabstimmungen. aus dem rein freisinnigen bundesrat entstand 1891 eine liberal-konservative regierung, 1929 wurden bauernvertreter und 1943 die politiker der arbeiterschaft integriert. 1937 schlossen arbeitnehmer und arbeitgeber frieden und begründeten so die sozialpartnerschaft auch das eine indirekte folge der volksabstimmung über die linken krisenbewältigungsinititiven.. etwas länger dauerte es mit der beteiligung der frauen. erst seit 1971 haben sie von den männern das stimm- und wahlrecht erhalten, seit 1984 sind sie im bundesrat vertreten. 2009 hatten sie (vorübergehend) die mehrheit inne.

andi gross meint im video: wir schweizerInnen haben nicht eine religion, nicht eine sprache, nicht eine lebensart. aber wir kennen eine moderne form der integration – die direkte demokratie, basierend auf der idee der freiheit, ausgedrückt in grossen entscheidungsmöglichkeiten, die sich das volk selber erkämpft hat.

stadtwanderer

gerade rechtzeitig zur volksabstimmung “gegen masseneinwanderung”, welche die schweiz exemplarisch teilte, ist ein neues buch zu den politischen gräben des landes erschienen. meine bilanz; materialreich, weil ausführlich gebuddelt, leider mit etwas veraltetem grabungsplan.

_UG_Seitz_diggraben_UG_Demoraktiewer ein „kompaktwissen“ zur geschichte der politischen gräben in der schweiz in buchform anbietet, der hat meine aufmerksamkeit auf sicher. wenn der autor historiker und statistiker ist, garantiert das zudem zeitlich eingebettete erkenntnisse und präzise auskünfte. werner seitz, sektionleiter beim bundesamt für statistik in sachen wahlen und abstimmungen, erfüllt genau diese kritierien, und er ist auch der autor des buches, das ich hier kurz vorstellen möchte.

gesellschaften, schreibt er gleich zu beginn, bestünden nicht aus “dem volk”, sondern aus gräben, die bisweilen teilen, bisweilen überbrückt werden. in der schweiz identifiziert er drei übergeordnete teilungen:

. den konfessionellen,
. den sprachlichen und
. den stadt/land-graben.

letzterer sei der älteste, quasi mit der entstehung der eidgenossenschaft im 14. jahrhundert aus länder- und städteorten entstanden. der konfessionelle konflikt geht auf die reformation im 16. jahrhundert zurück, und er hat zu vier bürgerkriegen geführt. der sprachenkonflikt wiederum entstand mit der helvetischen republik an der schwelle vom 18. zum 19. jahrhundert, als aus dem weitgehend deutschsprachigen alte regime, die schweiz der gleichbereichtigten sprachen mit unterschiedlichem gewicht in der politik entstand.

entwickelt habe sich die politische bedeutung der gräben ganz unterschiedlich, bilanziert der autor:

erstens, aus dem stadt/land-konflikt sei der grosse bauernkrieg im 17. jahrhundert mit unterdrückten und unterdrückern entstanden; mit dem werdenden freihandel in agrarfragen in den 1830er jahren habe er erneut einen höhepunkt erlebt. aktuell zeigt er sich beispielhaft in fragen der verkehrs-, aber auch in der europapolitik.
zweitens, das werden des bundesstaates sei in den 1840er jahren durch die konfessionalisierung der politischen spaltungen geprägt worden, und dies habe bis in die 1960er jahre nachgewirkt. betroffen waren davon die familien-, die schul- und die religionspolitik, denn die katholische und die reformierte schweiz habe sich weitgehend in sondergesellschaften entwickelt. erst in der gegenwart ist diese teilung verschwunden.
drittens, nochmals anders ist der verlauf der sprachenteilung. letztlich mit der verfassungsrevision von 1871/4 ausgebrochen, seien fragen der zentralisierung ihr hauptthema gewesen, dem in der französischsprachige scwheiz der föderalismus oder in der italienischsprachige der regionalismus gegenüber gestanden sei. auf dem höhepunkt habe sich der sprachengraben nach dem ersten weltkrieg befunden, und auch die ewr-debatte 1992 habe die schweiz nochmals entlang dem rösti-graben geteilt.

das büchlein von werner seitz bietet eine schematisierte lektüre der schweizer geschichtean, die im kern auf den wahlen und volksabstimmungen und ihren regionalen ergebnissen seit 1848 basiert, wie sie der politologie wolf linder mit seinen mitarbeiterInnen bereits vor einigens jahren in buchform präsentiert hat. denn anhand dieser vermisst der statistiker neuartig die tiefe und dauer der gräben, und er bestimmt die phase des auf- und abstiegs von gesellschaftlichen teilungen.

nebst solchen stärken hat der band aber auch schwächen. das zeigt sich vor allem am (zu knappen) umgang mit dem stadt/land-gegensatz. mag man damit noch einverstanden gewesen sein, dass der autor die soziale spaltung der schweiz mit der begründung des mangels an aussagekräftigen daten aus den regionen wegliess, gibt es beim stadt/land-gegensatz kein pardon.

denn dieser wird in den sozialwissenschaften (und im bundesamt für statistik!) seit jahren nicht mehr so schematisiert gesehen, wie ihn seitz darstellt. einerseits sind die städte via pendlerströme und massenmdien in der ganzen nachkriegszeit weit ins land hinaus gewachsen, und sie haben ihre werte in die agglomerationen verbreitet. anderseits trennt die globale vernetzung seit den 90er jahren des 20. jahrhunderts immer mehr metropolitane zentren von peripheren agglomerationen, sei es in wirtschaftlicher oder kultureller hinsicht. wo die verschiedenartigen agglos letztlich stehen, weiss man heute allerdings nicht, doch ist genau das entscheidend. denn geht zum beispiel um gleichstellung der geschlechter, obsiegt regelmässig die urbane schweiz, derweil sich die rurale immer häufiger durchsetzt, stimmen wir über die kulturelle öffnung des landes ab. doch agglomerationen scheint der autor nicht zu kennen.

zudem, stein rokkan, auf dessen modernisierungstheorie sich seitz explizt beruft, hat seine thesen in den 60er jahren des 20. jahrhundert formuliert. mit seinem cleavage-konzept hat er bahnbrechende arbeiten geleistet. seine folgerung, mit der regelung der industriellen konfliktes zwischen arbeiter und kapital in den westlichen gesellschaften habe die entwicklung ihr ende genommen, hat sich allerdings als fataler fehler in der geschichte der konfliktlinien europäischer gesellschaften erwiesen. entsprechend arbeitet die politische soziologie heute nicht mehr damit, sondern versucht mit theoretischen weiterentwicklungen zur nachindustriellen gesellschaft innovationen im denken auszulösen. folgt man etwa dem st. galler politologen daniele caramani, beruhen die aktuelle spaltung auf dem nachmaterialismus in urbanen gegenden und oberen schichten einerseits, dem antiglobalismus ihrer widersacher in ruralen landesteilen und unteren schichten anderseits. simon bornschier und silja häusermann entwickeln seit einigen jahren an der uni zürich ganz neue konfliktanalysen, um zu verstehen, was in nachindustriellen gesellschaften vor sich geht, doch seitz umgeht sie grossräumig.

im vorwort schreibt werner seitz, seine idee, eine geschichte der gräben in der schweiz zu verfassen, sei vom rüegger-verlag sofort positiv aufgenommen worden. voller tatendrang sei er deshalb auf die insel groix in der bretagne gereist, doch sei er nicht mit einem druckfertigen manuskript nach hause gekommen. genau das denkt man sich auch nach der lektüre des buches. geliefert wird eine genese der konfliktlinien in der schweiz, verbunden mit einer materialreichen analyse von direktdemokratischen entscheidungen. die beiden kapitel über die kulturelle teilung des landes in konfessionen und sprachen in vergangenheit und gegenwart sind geglückt, derweil die strukturelle teilung in funktionale räume und soziale schichten bruchstückhaft bleiben.

entsprechend bleibt der anspruch, mit dem buch eine umfassende untersuchung zu den politsichen gräben in der schweiz in der hand zu halten, nur teilweise eingelöst.

stadtwanderer

städte seien orte der präsentation und repräsentation, meinen soziologInnen. in städten wird gezeigt, wer was hat, meint das, und es werde erinnert, wer was hatte. nur fällt das sehr ungleich aus, zum beispiel zwischen männern und frauen.

Oppenheimbrunnenmeret oppenheim brunnen in bern, mit dem sich die künstlerin selber ein denkmal setzte. nur ist sie damit eine grosse ausnahme. denn frauen wird in bern öffentlich auffällig wenig gedenkt.


anna seiler
, die spitalstifterin nach der grossen pest im 14. jahrhundert macht da die ausnahme. ein spezielles haus im inselareal erinnert an die person, ebenso wie der anna-seiler-brunnen in der altstadt.

weniger gut geht es das der frauen im ancien regime. an catherine von wattenwyl, die amazone, die erste frau, die geheiratet hatte ohne zu ihrem mann zu ziehen, zu zeiten ludwig xvi., unbegründet der spionage für den sonnenkönig verdächtigt, gefangen genommen, gepeinigt und schliesslich frei gesprochen, erinnert erst seit einigen jahren ein buch. genauso ergeht es julie bondeli, der aufgeklärten salonière in bern, aus philosophischem haus, mit beziehungen zum revolutionär denkenden bürger samuel henzi. Auch an sie gedenkt man in bern nur in buchhandlungen.

noch schlechter steht es um marie tussaud. wohl kennt jeder und jede ihr weltberühmtes wachsfigurenkabinett. nur, wer weiss, dass das kleine mädchen in bern aufwuchs, hier bei einem onkel, der mediziner war, die kunst des modelierens erlernt hatte, mit der sie schliesslich london und von da aus die halbe welt erobern sollte.

ich habe mich dieser tage mehrfach ausgemacht, gedenkorte von bekannten bernerinnen aufzusuchen, blieb aber ohne erfolg.

zum beispiel bei julie von may, die in den 1870er jahre petitionen zur revision der damaligen bundesverfassung schrieb, um die frauenrechte zu stärken. oder bei margaretha fass-hardegger, der ersten arbeiterinnen-sekretärin im gewerkschaftbund, dievon bern aus versuchte, die lage der einfachen frauen zu verbessern.

nicht besser geht es den pionierinnen in der bernischen politik. wer erinnert sich noch an Ruth im obersteg geiser, der ersten frau in der berner stadtregierung. vielleicht reicht das gedächtnis zurück bis zu leni robert, der ersten regierungsrätin des kantons bern.

marte gosteli, die unermüdliche sammlerin von dokumenten zur gleichstellung von frau und mann leistet seit 1982 wichtige vorarbeit. insiderinnen ist das bekannt, nur in der öffentlichkeit weis man viel zu wenig davon.

etwas einfacher hat es das meret oppenheim, die mal in bern lebte, und den bekannten brunnen in der stadt stiftete. denn kennen alle, denn über ihn wurde viel berichtet und diskutiert, sodass die künstlerin weitherum bekannt ist.

immerhin, zaghafte schritte in die gewünschte richtung hat bern von einigen jahren mit anna tumarkin unternommen, der philosophin aus russland, die als erste frau an der berner universität professorin wurde. sie hat, gleichwertig mit albert einstein, einen speziell nach ihr benannten platz auf dem uni-areal bekommen.

mehr davon wäre angemessen. nur zu gerne würde ich eine stadtwanderung zu frauen in und aus der berner geschichte unternehmen.

stadtwanderer

der stadt/land-konflikt, heute in aller leute mund, hat seinen ursprung im alten zürichkrieg des 15. jahrhunderts; damals lehnten sich weite teile des oberlandes gegen die aarestadt auf,und begründeten so den widerstand land landleute gegen steuern, zentralismus und aussenorientierung.

die stadt bern wuchs seit dem ende des 14. jahrhunderts rasch in die landschaft hinaus. mehr und mehr entwickelte sie dabei einen territorial gebundenen, einheitlichen herrschaftsverband. 1445 entwickelte sich in den bernischen untertanengebieten die grösste bisherige bauernrevolte. ursprung von allem war der alte zürichkrieg. denn die zürcher und die die schwyzer lagen sich in den haaren, als der letzte graf vom toggenburg verstarb. beide orte erhoben anspruch auf das erbe.

aeschiaeschi ob spiez, heutige gemeindekarte

bern intervenierte auf seiten der schwyzer. die so vereinten eidgenossen waren im osten erfolgreich. beren stieg auf diesem weg zum führenden stand in der eidgenossenschaft auf. doch regte sich im innern wiederstand. während der landsgemeinde in aeschi bei spiez am 2. mai 1445 schlossen aeschi, das nieder- und obersimmental, saanen, die stadt unterseen und das kloster interlaken einen bund, um gegen die kriegsdienste für die stadt mit feldzügen und kriegssteuer zu protestieren. 21 jahre sollte der bund gelten. eine alljährliche landsgemeinde, zwischen der städtischen obrigkeit und den vereinten landgemeinden sollte, das verhältnis kontrollieren.

die reaktion aus bern liess nicht lange auf sich warten. die vornehmen junker in der aarestadt nannten die verschwörung “bösen bund”, und noch im selber jahre erwarben sie vom kloster einsiedeln die herrschaft ringgenberg, das zentrum der widerständischen. zwar verzichtete die stadt auf eine militärische intervention; sie rief ab das eidgenössishe schiedsgericht an. die waldtstätten, zug und glarus entschieden, der bund sei nicht rechtens und er müsse aufgelöst werden.

nun kam es zum aufstand der interlakner klosterleute, und es brach die brienzer verschwörung aus. schultheiss rudolf hofmeister gelang es zu vermitteln; der anführer hänsli schumacher, der nach luzern flüchtete, wurde in abwesenheit zum tode verurteilt und nach seiner gefangennahme in der leuchtenstadt hingerichtet. ruhe kehrte in der region erst 1451 zurück.

im rückblick gesehen erscheint der böse bund als eigentlicher beginn des stadt/land-konflikts im bernischen herrschaftsgebiet, ja in der alten eidgenossenschaft. die nachfolgenden etappen waren die saubannerzüge nach dem burgunderkrieg, der aufstand von köniz 1513 gegen die stadtobrigkeit, die reformation und der grosse bauernkrieg nach dem 30jährigen.
nach dem ende des ancien régimes entwickelt entwickelte sich der stadt/land-gegensatz neue. der freihandel und die industrialisierung brachten die wirtschaftliche entwicklung in gang; mit ihr begannen die gegensätze zwischen den bauersleuten auf dem land, den händlern in den städten und der arbeiterschaft zu wachsen.
heute hat der stadt/land-konflikt nochmals ein anderes gepräge. denn mit der globalen vernetzung von städten und ihren agglomerationen entstehen metropolregionen, mit aussenorientierten dienstleiterInnen als tragender gesellschaftsschicht. vor allem bern und biel/bienne haben auf diesem weg neue lebensweise ins land gebracht, die ausstrahlung finden, etwa bei der gleichstellung von mann und frau, aber auch gegenreaktionen hervorrufen, wie die aktuelle familien- oder schulpoliktik zeigen. namentlich die offenen grenzen gegenüber der europäischen union und die mit ihnen verbundene migrationen haben in den letzten jahren die nationalkonservativen werte erstarken lassen, ebenso die binnenorientierung, die ihren ursprung auf dem land hat und im bernischen oberland, emmental und selbst im seeland bis weit in die agglomerationen ausstrahlt. am 9. februar 2014 erreichte sie mit der der zustimmung zur svp-initiative “gegen masseneinwanderung” einen neuen höhepunkt.

stadtwanderer

der wetterschmöcker (@M_Wetterprophet) vermeldete diesen morgen via twitter, der frühling kommt heute bestimmt. genau so ist mir auch zu mute.
deshalb kündige ich heute mit meine stadtwanderungen für das frühlingshalbjahr 2014 an. sieben führungen durch bern, und drei durch fribourg sind fix vorgesehen – ein reichhaltiges programm also!
genaueres erfährt man untentstehend.
vor der sommerpause nehme ich keine weiteren führungen mehr in angriff. zwischen august und oktober 2014, in der herbstsaison also, sind weitere möglich. da habe ich erst eine verpflichtung. interessentInnen melden sich direkt bei mir.
im herbst ist übrigens auch vorgesehen, stadtwanderung in murten und umgebung anzubieten. mehr dazu später!

stadtwanderer

berner führungen

31.1.2014
stadtwanderung für den kongress der schweizerischen vereinigung für politikwissenschaft zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

16.4.2014
stadtwanderung für den freigestellten chefredaktor von telebärm werner de schepper zu “den bernern kann man keinen bären aufbinden!”

25.4.2014
stadtwanderung für politologin michelle beyeller zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

7.5.2014
stadtwanderung für ringier journalistenschule zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

8.5.2014
stadtwanderung für kpm zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

20.5.2014
stadtwanderung für den 101. Kongress der schweizerischen gesellschaft für chirurgie zu “einstein – berns berühmtester nobelpreisträger”

28.5.2014
stadtwanderung für karin ingold/organisationskommitee des svpw-kongresses zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

6.6.2014
stadtwanderung für den verfassungsausschuss in italienh zu “demokratisierung der demokratie. eine kurze geschichte der direkten demokratie in der schweiz”

7.6.2014
stadtwanderung für cvp luzern zu “konkordanz woher? Konkordanz wohin?”

freiburger führungen

datum noch offen (samstags)
stadtgolfwanderung für meine twitter-follower

9.6.2014
private stadtgolfwanderung

juni 2014 (genaues datum noch offen)
private stadtgolfwanderung für angelina mazzocco, kommende gymnasiallehrerin und studentin an der uni fribourg

rede, gehalten am Netzwerkapéro des Clé de Berne, 20.2.2014. erwartet wurde eine launische kurzansprache.

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“Es war knapp. Aber es ist Ja. Den Ausschlag gaben weniger als 10‘000 Stimmende. Hätten sie statt Ja Nein gestimmt, wäre nun viel Aerger erspart geblieben. Die Probleme wären aber die gleichen gewesen.
Am meisten Ja hatte es übrigens dort, wo es viele “Heimetli” gibt. Dafür hat es da auch wenige Ausländer, um die es eigentlich ging. Wo es viele Ausländer gibt, hatte es wiederum weniger Ja-Stimmen. Doch das war gar nicht ent-scheidend. Denn das war schon immer so, wenn wir über solche Sachen abge-stimmt haben. Und das Ergebnis war immer umgekehrt.
Massgeblich waren diesmal die Agglomerationen. Denn bis 2009 waren sie immer für offene Grenzen. Doch nun haben sie genug, und sie stimmten in ihrer Mehrheit Ja, womit es insgesamt Ja war.
Es ist schon erstaunlich. Alle Wirtschaftsindikatoren haben Hochzeit. Wir sind top im Standortwettbewerb, wir haben Wirtschaftswachstum und wir haben eine prallvolle Staatskasse.
Aber wir leiden. Am Dichtestress. Vor allem in der Deutschschweiz. Und dies, obwohl im Arc Lémanique am meisten Menschen auf engem Raum leben. Die kennen nicht einmal das Wort. Lässt man es von Google übersetzen, wird einem „élasticité“ vorgeschlagen. Ich schliesse daraus, dass der Begriff dehnbar ist.
Unsere Lebensgefühle haben sich verändert. Ich vermute, die Hauptursache ist die volle virtuelle Timeline. Kein Platz zum Atmen, kein Ort zum Ruhen. Deshalb haben wir Stress und brauchen Schuldige. Die EU, die Einwanderer, die Land-schaftszerstörer, die Arbeitsplatzkonkurrenten, die Sozialfürsorgeempfänger.
Ich rate, all diese Themen ernst zu nehmen. Denn mit der Personenfreizügigkeit haben wir neue gesellschaftliche Probleme bekommen. Heute sind es nicht mehr nur die Unterschichten, die das beklagen, es ist der Mittelstand, polarisiert in Globalisierungsgewinner und –verlierer. Die einen können in der Wettbewerbsgesellschaft mithalten, die andern werden von Abstiegsängsten geplagt.
Vor zwei Jahren habe ich gemeinsam mit KollegInnen aus Deutschland und Österreich an einem Buch über “Politische Kulturen im Umbruch” geschrieben. Einer der Schlüsse lautete, dass wir eine für europäische Verhältnisse normale Regimeakzeptanz haben, in der Regel den politischen Autoritäten auch vertrauen, gelegentlich aber misstrauisch sind. Vor allem sprunghaft ansteigende Stimmbeteiligungen bringen periodisch den Unmut zum Ausdruck. Dazu gehört, dass wir uns wehren, Teil der europäischen Massengesellschaft zu werden.
Bei dieser Abstimmung ging es jedenfalls am Schluss um Identität. Genauer gesagt, um Identitäten. Denn davon haben wir mindestens drei: die nationalkonservative, die internationalistische und jene der Schweizer Modernismus. In Bedrängnis ist heute der Schweizer Modernismus, denn seine Basis wir immer konservativer.
Seit dem 9. Februar ist an meinem Kiosk die “Weltwoche” schon morgens um 8 bereits ausverkauft. Es sind die seltenen Tage von Roger Köppel und Co. Via deutsche Talkshow strahlen sie mächtig in die EU aus. Diese reagiert irritiert. Und EU-Kommissionspräsident ist in Rage. Ausgerechnet José Manuel Barroso, der als Student all 23 Kantone der Schweiz mit Mietauto bereist hatte und ein Schweiz-Versteher war.
Doch auch wir reagieren teilweie unüberlegt: Neuerdings gibt es sechs Katego-rien von BewohnerInnen: Einen A Ausweis bekommt, wer wahrer Eidgenosse ist und die SVP wählt; B gibt es für gute SchweizerInnen, die Ja gestimmt haben, C für Romands und D für Städter. Die Romands können keine guten SchweizerInnen sein, weil sie nicht wüssten, was Patriotismus sei. Und die Städter seien noch minderen Ranges, weil sie eh am liebsten nach Brüssel schauen würden. Von besonderem Interesse ist aber E, Inländer genannt. Denn eigentlich sind damit Ausländer gemeint, die bleiben dürfen. Wer weniger als ein Jahr da ist, ist Ausländer mit F Ausweis und fehl am Platz.
Nicht minder problematisch ist der Vorschlag meines Genfer Namensvetters, dem Wirtschaftsminister der Republik am Lac Léman. Coucousin François meint, am besten würde man die Kontingente nach dem Nein-Stimmenanteil verteilen. Oder umgekehrt proportional zum Betrag, den man aus dem NFA bekommt. Es droht uns der Finanzausgleichsgraben – mit klaren inneren Grenzen.
Da lob ich mit unsere Bundespräsident Didier Burkhalter. Er hat recht. Die Bilateralen haben Schlagseite. Der sozialliberale Kompromiss in der Europapolitik trägt nicht mehr wie gewohnt. Heute braucht es keine Polarisierer. Es braucht mehr Kohärenz.
Wir müssen uns auf die Grundwerte der Schweiz besinnen: Selbständig und offen, föderalistisch, direktdemokratisch und sozialpartnerschaftlich, um eine Balance zu finden, zwischen Globalisierung und Identität, zwischen internationaler Partizipation und Eigenständigkeit, zwischen Moderne und Tradition. Denn all das gehört zur Schweiz.
Die ersten Leidtragenden der inneren Uneinigkeit sind die Studierenden und die Filmschaffenden. Nicht ausgesprochene Ja-Sager, aber “Randgruppen” halt. Sollte es die Forschung an sich treffen, geht es um unseren Diamanten. Noch vor kurzem waren wir stolz, den wissenschaftlichen Denkplatz Europas zu sein, und dafür eine Milliarde Fördergelder aus der EU zu kommen. Solches steht nun auf dem Spiel.
Im Moment haben wir zwei Freunde: Angela Merkel und Ernst Bloch. Angi, weil sie cool reagiert hat, auf gemeinsame Interessen setzt und pragmatisch vorgehen will. Bloch, weil es das Prinzip Hoffnung formuliert hat, die konkrete Utopie, das Machbare am Morgigen.
Ohne das heisst der nächste grosse Dokumentarfilm aus der Schweiz nicht “More than Honey”, sondern “Less than Honey”. Und wir müssten ihn erst noch selber bezahlen.”

stadtwanderer

neujahrstag ist auch der tag der neuen foto des bundesrats. so auch heute. mein titel zum bild lautet: besonnener bundesrat.

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zuerst zum bild: diesmals zeigt sich der bundesrat im bundesratszimmer. genau dort, wo gearbeitet wird. entschieden hat das, wie immer der bundespräsident, 2014 erstmals didier burckhalter. umgesetzt hat die idee die gleiche agentur, die schon 2008 die offizielle bundesratsaufnahme realisierte. damals noch sonnte sich der bundesrat mitten im volk. und auch diesmal ist es das sonnenlicht, das dem bild das gewisse etwas gibt. das fenster auf der linken bildhälfte markiert den kontrapunkt zur räumlichen begrenzung, die naturgemäss von einer sitzungszimmer ausgeht. es signalisiert, wenig überraschend, schönes wetter, denn sichtbar wird der blaue himmel, ganz so wie er sich heute in weiten landesteilen über der schweiz präsentierte. das natürliche mit dem kleinen ausschnitt auf die unverwechselbaren (vor)alpen, ist es was einem haften bleibt. ihm steht das hell erleuchtenden bundesratszimmer gegenüber, und erscheint damit noch künstlicher als es eh schon wirkt.

dann zum bildhaften: man kann den dramaturischen eingriff ins bundesratsbild 2014 aber auch symbolisch verstehen. der bundesrat präsentiert sich in aufgeräumter stimmung und besonnener formation. damit setzt er sich bewusst von der grundstimmung ab, die seit jahren den öffentlichen diskurs dominiert. nichts vom medialisierten emotionen, nichts von der politischen skandalierung, aber auch nichts vom populismus der misstrauischen ist auf dem bild, das uns ein jahr lang begleiten soll, zu sehen. gott sei dank!, kann man beifügen. denn der leistungsausweis der schweiz steht: spitzenwerte bei der wirtschaftsleitung, technische hochschulen, die keinen europäischen vergleich scheuen müssen, aber auch bilanzen für gesellschafts- und umweltentwicklung, die sich sehen lassen können.

schliesslich zum politischen: das gezeigte ist nicht einfach bildsprache, es ist auch politisches programm. denn die migrationsabstimmungen, aber auch die volksentscheidungen zu lohnfragen verheissen für 2014 erhitzte gemüter. das gilt wohl auch für die anschaffung des gripen-jet der armee. Einen vorgeschmack haben wir dieser tage bekommen: bundesrat, ecomomiesuisse und blocher rüsten zum grosskampf zur personenfreizügigkeit zwischen der eu und der schweiz. die einen verstehen die aufregung nicht, denn für sie steht nicht weniger als um das erfolgsmodell der offenen schweiz auf dem spiel. die anderen verstehen die demonstrative zuversicht nicht, denn rund herum versinkt die welt: in europa, ja auch in der schweiz macht sich niedergang breit, seit die grenzen geliftet wurden und umherziehende menschen für überall für scheinbares chaos sorgen. es kommt hinzu, dass die schweiz unverändert unter internationalem druck steht, durch die fatca-initiative der usa, die banken-union der eu, aber auch die offenen steuerfragen mit einigen unmittelbaren nachbar. auch sie werden uns 2014 immer wieder beschäftigen. schliesslich kennt die schweiz auch grossbaustellen: die enerigewende zuerst, die institutionellen fragen mit der eu danach, schliesslich auch die pendlerpolitik und die sicherung der altersvorsorge kündigen sich immer deutlicher als schwerpunktsthemen weit über das anfangende jahr hinaus an.

es gibt wohl drei möglichkeiten, all dem zu begegnen: mit der maske der problemverleugnung, der dunklen brille des weltuntergangs – und mit der besonnen haltung einer regierung. deren aufgabe ist es, die fakten vor augen zu haben, problem und lösungen hierfür zu erörtern, und entscheidungen zu treffen, die bestand haben können. das war in jüngster zeit nicht häufig der fall, aber es kam vor, etwa bei der stützung der aktionärsdemokratie gegen lohnexzesse im management grosser unternehmungen, aber auch beim bankdeal mit den usa. mehr nüchterne analyse der innenpolitischen befindlichkeiten ist hier durchaus angesagt. das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass politik nicht einfach fürs heimische publikum gemacht wird. vielmehr hat sie sich im internationalen umfeld zu bewähren, das beispielsweise wegen mangelnder regulierungen des bankenwesen im internationalen recht einen nachholbedarf hat und diesen einzulösen bereit ist – ob die schweiz es will oder nicht!

die bundesratsfoto 2014 hat die richtigen element: ein ordentlich aufgestellter bundesrat, der links und rechts ausgewogen daher kommt; ein bundesratszimmer, das für die 1848 begonnene tradition des eigenständigen bundesstaates im wechselbad des internationalen umfeldes steht, und ein politische klima, das weder blendet noch verdunkelt, aber frischen blau bringt, um den bundesrat zu besonnenem handeln zu bewegen.

stadtwanderer

draussen tummelten sich unmengen menschen am weihnachtsmarkt. drinnen war es besinnlich, umgeben von einer vielzahl engel.

Unbenannta
staunend in den engelhaften himmel schauend: münster-führerin marie-therese lauper

geladen hatte marie-theres lauper, stellvertretende sigristin des berner münsters. je länger es dauerte, desto mehr kam die führerin durch das gotteshaus in fahrt. kein engel an der stukatur oder an einem kirchenstuhl, den sie nicht kennen würde!

der anfang war systematisch; eine art engelogie. die geschichte der engel ist mehrere 1000 jahre alt, derweil sich ihre gestalt mehrfach verändert hat. geblieben ist ihr sinn, denn seit jeher sind sie die boten gottes.

neun engelschöre kennt die christliche tradition: unter den wolken singen die schutzengel, die erzengel und die engel der tugend. zwischen wolken und sternen sind die engel der macht, der gewalt und der herrschaft. über ihnen ist die unendlichkeit mit den engel, die den thron gottes tagen, der cherubimen und seraphimen.

das legte nicht nur papst gregor der grosse im 7. jahrhundert mitten in rom als himmlische hierarchie so fest. es fand auch im 15. jahrhundert eingang ins gewölbe über den portalen zum berner münster. links ist der eingang der klugen jungfrauen, rechts der törichten. im grossen bild dazwischen finden sich die apostel, weitere engel, welche die kreuzigung jesu symbolisieren. in ihrer mitte ist der erzengel michael, der krieger christi, der die seelen der toten wägt, um zu entscheiden, ob sie in den himmel kommen, oder in die hölle müssen. wessen gute taten mehr zählten, bekam den zugang zum ewigen licht, während jene, deren schlechte mehr wogen in die immerwährende dunkelheit geheissen wurden. der berner schultheiss gehörte übrigens zur ersten kategorie; der bürgermeister zürichs, der den alten zürich krieg entfacht hatte, landete in der zweiten …

im innern des berner münsters entdeckt man laufend neue engel. so in der diesbach-kapelle, eingraviert im gemäuer; man muss schon wissen wo, um die letzten spuren des bildnisses zu entdecken, das vor über 500 jahren angelegt und eben erst gefunden wurde. so auch im wappen hinter dem stuhl der familie engel, aus der ostschweiz kommend, in bern eingebürgert und an der aare schnell zu ehren und ämtern gekommen; so schliessich im kirchenchor, wo die acht engel ausgestellt sind, die vormals über dem schultheissentor wachten. sie verkünden die entstehung der stadt im jahre 1191, den (neu)bau der kirche 1421, die herrlichkeit berns, das wirken des kaiserreiches, die leistungen der zähringer, die aufsicht des deutschordens über die und des heiligen vinzenz, dem schutzpatron des münsters.

das alles ist eigentlich katholischer herkunft und hat trotz reformation und bildersturm im berner münster überlebt, weil man die kirche ende des 15. jahrhunderts den obrigkeitlichen deutschherren entrissen und sie in den dienst des bernischen landes gestellt hatte. engel haben die epochale wende in der christlichen welt übrigens überlebt, wie die engel über der berner orgel aus dem 18. jahrhundert zeigen. nur sind sie seit dem barock immer jünger, kleiner und leichter geworden, und sie haben flügel bekommen.

“fürchtet euch nicht!”, ist der leitspruch der engel. das war ihre begrüssung, als sie furchterregend vor die menschen traten; seit sie zu kindern gottes geformt wurden, macht er weniger sinn, denn das liebliche in ihnen ist wohl das wichtigste an ihnen geworden. marie-therese lauper, die das allen besuchern gekonnt nahe bringt, erzählt übrigens, engel hätten fliegen gelernt, weil sie nicht alles so ernst nahmen, was sie sahen.

ich denke, ihre gestrige begleitgruppe der münsterführerin hat das sehr ernst genommen, sich für das verteilte engelsgebäck bedankt und das geheimnis der musik beethovens in der schliesslich ganz abgeunkelten stadt gottes tief in sich aufgenommen.

stadtwanderer

alle berühmtheiten des jahres waren da: merkels handy, obamas ohren, putins machthand, assads greueltaten und berlusconis grinsen. nichts davon war wirklich lustig, dennoch wurde kräftig gelacht.

BcAxfvjCYAAMrXx
Karikatur: Silvan Wegmann

aufgelockert wurde die vernissage zu den besten schweizer karikaturen des jahres 2013 vor allem durch christine egerszegi und ruth dreifuss, zwei der schlagfertigsten frauen aus der schweizer politik. nicht einmal der geübte befrager sandro brotz konnte sie ich echte verlegenheit bringen. immerhin, der rundschau-talker entlockte beiden gästen einige bonmonts und bekenntnisse: ruth dreifuss outete sich, an einem programm zu drogenwirkungen teilgenommen zu haben, aus rein medizinischen gründen, meinte die ex-gesundheitsministerin; der versuch sei bald abgebrochen worden, denn die hypothese, die dem experiment zugrunde gelegen habe, sei eindeutig falsch gewesen. gesundheitspolitikerin christine egerszegi nahm das thema entspannter: sie sei eine 68erin, habe in lausanne romanistik studiert und so einiges ausprobiert; nur warte sie bis heute auf die wirkungen.

erheiterndes gelächter!

über karikaturen genervt habe sie sich eigentlich nie, meinte die aargauer ständerätin aus den reihen der fdp. sie würden masslos übertreiben, nicht ohne wahren kern. das wisse man, wenn man sich der sparte zuwende; und das solle man nicht vergessen, wenn man einmal betroffen sei, meinte die eingefuchste franzlehrerin. die ex-bundesrätin reagierte gespaltener. als ein welsche karikaturist sie mit spritzen in der hand gezeichnet habe, welche sie in schulhöfen abgegeben haben solle, habe sie heftig interveniert. denn die karikatur, so die genfer pensionistin, sei eine eingängige form der informationsverbreitung, nicht der falschmeldungen.

eiskalte mienen!

am witzigsten waren beide frauen, als sie über die politik sprachen. „warum das bundeshaus eine kuppel habe?“, fragte sich dreifuss gleich selber; weil es kein flaches zirkuszelt gebe, antwortete sie postwendend. und egerszegi meinte, wahlkampf gleiche prostitution, denn es gäbe leute, die würden einen im strassenwahlkampf meiden, als arbeite man/frau im ältesten gewerbe der welt.

süffisantes schmunzeln!

auf das verhältnis zu ihren parteien angesprochen, blieb die gewerkschafterin dreifuss trocken. sie sp vertrete die richtigen positionen, und sie habe auch als bundesrätin immer das grundvertrauen ihrer genossInnen gehabt. da schäkerte die freisinnige egerszegi viel lockerer: als sie erstmals als frau unter männern kandidiert habe, habe der parteipräsident verlangt, dass alle mit sauberem hemd, ordentlicher krawatte und frisch rasiert antreten müssten. sie habe geantwortet, die ersten beiden sachen ging, das dritte sei ihr zu intim.

herzhaftes lachen!

es tat gut, nach einem anstrengenden jahr schweizer politik mit volksabstimmung über minder-initiative, aufständen gegen asylunterkünfte, im parlament versenktem us-deal für banken, durchbruch beim gripenkauf, angekündigter altersvorsorge 2020 und anspruchsvollem verhandlungsmandat mit der eu das politjahr 2013 locker vom hocker verabschieden zu können. genau das leisten karikaturen, in dem sie zeigen, was ist, überzeichnen, was auffiel, und distanz markieren zu dem, was man gar nicht vermisst hätte. die heutige vernissage mit eigentlich allen grössen der schweizer karikaturistInnen-szene hat das bestens auf den punkt gebracht. eigentlich kann man den besuch im berner kornhausforum über die fest- und feiertage nur empfehlen.

schelmisches grinsen!

stadtwanderer

wahlen in wohlen

Dezember 8, 2013 | Leave a Comment

seit 1999 ist wohlen im kanton bern meine wohngemeinde. mit amtlich bestätigten 8897 einwohnerInnen ist der vorort der hauptstadt selber beinahe eine stadt, allerdings mit gemischt urban-ruralem charakter. denn den hauptsiedlungen in wohlen und hinterkappelen stehen zahlreiche dörfer gegenüber, die ihre ländliche eigenart bewahrt haben. und, das wachstum der aufstrebenden gemeinde ist jüngst ins stocken geraten.


stabübergabe, der abgewählte edi knecht, gratuliert dem nachfolger bänz müller (gut beobachtet vom stadtwanderer, genau rechts dahinter, in der braunen jacke)

lange war man in wohlen geteilt, zwischen bürgerlicher mehrheit und sozialdemokratischer minderheit. doch dann begann sich das politische gefüge aufzulösen. die freie liste des kantons bern hatte in den 80er jahren des 20. jahrhunderts just in wohlen ihren ursprung; grüne und grünliberale machen hier wachsende stimmenanteile. zudem gibt es seit wenigen jahren eine respektable bdp, und seit neustem auch ein liste integrale (sach)politik.

das von normalfall abweichende ergebnis
heute nun waren wahlen in wohlen – genau genommen der zweite wahlgang für das gemeindepräsidium. der erste war vor zwei wochen. bestätigt wurde damals die bürgerliche mehrheit in der gemeindeexekutive mit 2 fdp männern und je einer frau der svp und bdp. rotgrün kam unverändert auf drei sitze, neu 2 für sp plus und 1 für die grünen. zwei frauen und ein mann vertreten das linke lager in der exekutive.
umstritten war diesmal die wahl für das gemeindepräsidium. es ist besonders wichtig, denn der amtsinhaber übt es vollamtlich aus, während die andere regierungsmitglieder fast ganz ehrenamtlich arbeiten.
im ersten wahlgang schaffte der amtsinhaber, eduard knecht, von der fdp, das absolute mehr nicht, sodass sich in der zweiten runden er und sein sp-herausforderer stefan müller-bleuer, von allen bänz genannt gegenüberstanden.
nun obsiegte bänz müller, ganz genau berechnet mit 55,2 prozent der stimmen, bei einer beteiligung von 58,1 prozent. damit wechselt das präsidium wohlens von rechts nach links, der männliche gemeindepräsident sieht sich unverändert einem mehrheitlich weiblichen rat gegenüber, und wohlen hat eine kleine cohabitation mit linkem chef und rechter mehrheit.

die vorzeichen stand schon auf sturm

wie nur war das möglich? von den parteistärken her wäre der amtsinhaber der favorit gewesen: die bürgerlichen parteien machten vor zwei wochen 48 prozent der stimmen aus, rotgrün 32 prozent, und 20 prozent gingen an die verschiedenen ungebundenen kräfte resp. kamen von listen ohne parteibezeichnung.
schon der erste wahlgang zeigte, dass eine überraschung in der luft lag. denn knecht lag 146 stimen hinter seinem seinem herausforderer, und die wahl in den gemeinderat nach proporzwahlrecht schaffte er auf der fdp-liste nur als zweiter von zweien.
eine kleine analyse zum heutigen, deutlicheren ergebnis zeigt: wenn sp-müller alle stimmen von rotgrün bekommen hat, wenn er von der zusätzlichen beteiligung im zweiten wahlgang mehr als der amtsinhaber profitiert hat, müssen entweder alle unabhängigen stimmen an ihn gegangen sein, und etwa 10 prozent der bürgerlichen wählerInnen haben ihn, nicht knecht unterstützt. oder sein anteil bei den ungebundenen ist etwas geringer ausgefallen, dafür hat mehr er entsprechend mehr als jede 10. Stimme aus bürgerlicher hand erhalten.

das politikum
beim wahlapéro nach der ergebnisverkündung zeigten sich die freunde knechts selbstredend enttäuscht, jene müller offensichtlich erfreut. die meisten anwesenden waren erleichtert, dass eine klare entscheidung getroffen worden war. denn der horror der insider war ein hauchdünnes ergebnis.
bereits im wahlkampf war klar geworden, dass der amtsinhaber umstritten war. im ersten wahlgang trat die bdp mit einer eigenen kandidatin für das gemeindepräsidium an, zur grossen überraschung der fdp. dass sich herausforderer müller vorstellen kann, das amt auch halb- statt ganztags auszüben (und damit kosten zu sparen), hat ihm gewisse sympathien selbst in den reihen der svp verschafft. schliesslich die unabhängigen: die kleinparteien stellten zwar keine eigenen bewerbungen für die gemeindespitze, votierten aber in der ersten rund weitgehend für den neuen mann.
das ganze ist nicht ohne vorgeschichte. in der vergangen legislatur musste die schule in säriswil, einem der dörfer wohlens, geschlossen werden. das alleine war ein grosses politikum, das schliesslich mit einem eklat endet, als aufgrund unterschiedlicher auffassungen über das vorgehen die beiden sp-frauen mit vorwürfen an den gemeindepräsidenten zurücktraten. zum eigentlichen problem avancierte eine aussage des gemeindepräsidenten im rahmen der manchenorts laufenden debatte über ein nächtliches ausgehverbot für jugendliche. demnach habe man in wohlen einen minderjährigen mit wodkaflaschen zu nächtlicher stunden anhalten müssen, ohne dass der vorfall in den amtlichen polizeiprotokollen belegbar gewesen wäre. gemeindepräsident knecht musste sich in der folge entschuldigen, die in fahrt gekommene juso sah die gunst ihrer stunden gekommen, und mobilisiert seither gegen den politischen chef wohlens, ohne das dieser mit ihr ins gespräch fand. im wahlkampf kreiierten sie mit dem slogan „wir lassen uns nicht knechten“ das geflügelte wort der stunde. denn zwischenzeitlich wurde der vorschlag des gemeinderates für das ausgehreglement an der gemeindeversammlung abgeschwächt, und das referendum gegen den verbliebenen beschluss wurde von der jungen linken erfolgreich aufgegriffen. ein richtiges politikum also, und das mitten im wahlkampf.
die medien seien schuld, hörte man dieser tage des öfteren seitens der bedrängten bürgerlichen. sicher, sie haben den konflikt befeuert, erfunden haben sie ihn nicht. das war der initiale fehlers des gemeindepräsidenten. unterschätzt hat man in seinem wahlkampfteam, dass dahinter ein konflikt schwelt, in einer alternden gemeinde, deren bevölkerungszahl schrumpft, was sich negativ auf gemeindefinanzen und infrastrukturen auswirkt. der bisherigen politik ist es nicht gelungen, hier eine wende herbeizuführen, dass die angebote für heranwachsende im schulsektor zurückgehen, und für jugendliche in ihrer freizeit vor eher bescheiden sind. genau das goutieren nicht mehr alle, und genau das hat sie schlafgemeinde aufgeweckt und mit neuem politischem engagement erfüllt.

meine kurzanalyse der ursachen
auch wenn ich heute keine wahlanalyse im eigentlichen sinne gemacht habe. das normale raster, das ich hierbei verwendet hätte, hat mir geholfen, die sache rasch einzuschätzen: denn ganz allgemein entscheiden drei faktoren eine wahl, erstens, die langfristigen parteibindungen, zweitens, die themen, die im vorfeld diskutiert werden, und, drittens, die stärken und schwächen der spitzenkandidatInnen.
die parteibindungen hätte klar für den amtsinhaber gesprochen. wäre das bürgerliche lager geeint gewesen, und hätte es die übliche ausstrahlung auf die ungebundenen gehabt, wäre zur nomalen (bürgerlichen bestätigungs)wahl. das konfliktthema einerseits, die eigenschaften der kandidatInnen anderseits haben also zur abweichende entscheidung geführt.
denn der gewählte lehrer und der abgewählte ex-personalchef einer rüstungsfirma repräsentieren zwei generationen von politikerInnen, mit ganz anderen selbstverständnissen im kommunikativen umgang, mit der wohnbevölkerung, aber auch mit medien. denn sie sind gerade in anonymer werdenden gemeinden unerlässlich, um die kommunikation ausserhalb der politzirkel zwischen behörden und stimmberechtigten sicher zu stellen.

stadwanderer

es hat spass gemacht: für das migros-magazin habe ich beim rating der 10 wichtigsten daten der welt- und der fünf zentralen momente der schweizer geschichte mitgetippt.

acht weitere historiker, politologen und philosophen haben ihre ideen beigetragen, ein halbes dutzend der angefragten expertInnen hat gepasst. was insgesamt herausgekommen ist, findet man hier; wofür ich mich entschied, kann man unterstehend gleich nachlesen.

DIE TOP 10 DER WELTGESCHICHTE

1914: Attentat von Sarajewo, Ausbruch des 1. Weltkriegs

1917: Russische Revolution, Ende des Zarenreiches, Aufstieg der Bolschewiki, der zur Gründung der kommunistischen Sowjetunion und zum Ende des 1. Weltkriegs führte.

1929: Weltwirtschaftskrise, Erschütterung der Ökonomie, die zum Aufstieg der undemokratischen Rechtsparteien und der Machtübernahme der NSDAP führte, was in den 2. Weltkrieg mündete.

1945: Sturz von Adolf Hitler, Ende des Zweiten Weltkrieges, Neubeginn in Europa mit der EWG/EU.

1949: Ende des chinesischen Bürgerkriegs, der zur Gründung der Volksrepublik China unter Mao Tse-Dong führte.

1957: Beginn der Raumfahrt, Höhepunkt der Polarisierung zwischen der USA und
der Sowjetunion.

1968: Ausbruch der Jugendrevolte, welche die westliche Welt nachhaltig verändert.

1989: Fall der Berliner Mauer, Ende des Kalten Krieges, Zerfall der Sowjetunion.

2001 (11.9): Attentat auf die Twin-Tower; Beginn der Spannungen zwischen christlicher und islamischer Welt.

2008: Ausbruck der globalen Finanzmarktkrise, Wahl von Barack Obama zum 1. schwarzen Präsidenten der USA.

DIE TOP 5 DER SCHWEIZ

1918: Landesstreik, die Arbeiterschaft wird zur politischen Kraft. Durchbruch für das Proprozwahlrecht im Nationalrat, was die FDP-Vorherrschaft beendet.

1959: Beginn der Zauberformel, sie stabilisiert die Regierungsbildung und -zusammensetzung als Vierparteienregierung. DIes ist der wichtigste Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg.

1971: Frauenstimm- und wahlrecht, die Schweiz holt damit das Erwachsenenwahlrecht nach, das in den meisten Ländern 1918/19 eingeführt wurde.
1992: EWR-Entscheidung, Schweiz wählt den Weg ausserhalb einer EU-Mitgliedschaft, profitiert wirtschaftlich, hat sich aber politisch isoliert.

2002: UNO-Beitritt. Schweiz öffnet sich (spät) gegenüber der Welt, und setzt ein Zeichen der internationalen Verbundenheit.

nun rennen sie wieder, von murten nach fribourg. aus spass, zur körperlichen ertüchtigung oder als erinnerung an die bewegte geschichte. denn 1476 pokerte die stadt freiburg hoch – und gewann! mit der schlacht von murten empfahl sich der stadtstaat als neunter kanton der eidgenossenschaft.

freiburg folgte seit der stadtgründung einer feudale tradition. keine reichsstadt war man 1218 geworden wie bern oder zürich. vielmehr hatte man einen stadtherrn aus dem adel, der schutz versprach und man sich hierzu unterwarf.

die habsburgerstadt im westen
zuerst waren die zähringer, die stadtgründer, in der aufgabe als stadtherren. nach deren aussterben übernahmen die grafen von kyburg das amt. und nach deren aussterben kam freiburg für 200 jahre zu habsburg.

1444 besuchte letztmals ein habsburger die abseits im westen der hauseigenen ländereien gelegene stadt. friedrich III., damals noch könig mit kaiseraspirationen, versuchte zu retten, was zu retten war. denn die beziehungen zwischen der stadt und habsburg hatten sich seit dem 14. jahrhundert merklich abgekühlt. zwar lebte man in der alten landschaft rund um die stadt herum noch ganz in der tradition. in der stadt selber hatte sich eine neue schichte breit gemacht, die nach mehr eigenständigkeit drängte.

savoyen vs. habsburg
angefangen hatte der niedergang habsburgs mit dem sempacherkrieg 1386. luzern eroberte wichtige besitzungen der habsburger im mittelland. 1415 verschärfte sich die situation noch, als bern die stammlande des zwischenzeitlich wienierischen geschlechts eroberte. von nun an war freiburgs lag prekär. nicht nur war man weit weg vom herrschaftszentrum; auch alle verbindungswege führten nun durch eidgenössisches territorium.

nach der pest mitte des 14. Jahrhunderts hatte sich die stadt freiburg zudem neu erfinden müssen. von nun an lebte man vom wollhandel mit der nahen und weiten umgebung. auf wichtigen märkten wie dem in genf war man gut und gerne vertreten, um geschäfte abzuschliessen. den städtisch gewordenen landadel, der gemeinsam mit den klöstern die stadt regiert hatte, drängten die händler stück für stück zurück, um die geschicke der stadt selber bestimmen zu können. das hatte freiburg dem herzogtum savoyen näher gebracht, denn die verbindungsweg in die rhonestadt führten durch die savoyische waadt.

nach verschiedenen provokation von herzog ludwig (dem älteren) von savoyen und den freiburgern, sandte die stadt am 17. dezember 1447 eine kriegserklärung an den savoyischen hof. in den jahren zuvor hatte man im wallis gesehen, dass die macht der savoyer nicht unbegrenzt war. die lage freiburgs verschlechterte sich rasch, als bern anfangs 1448 sein bündnis mit savoyen aktivierte, womit freiburg ein zweifrontenkrieg drohte.

in der landschaft rund um freiburg brach ein kleinkrieg aus, bei dem alle beteiligten raubten und brandschatzten. bereits am 16. Juli 1448 kapitulierte freiburg. die stadt unterwarf sich dem savoyisch-bernischen friedensdiktat. dieses sah eine ausserordentlich hohe kriegskontribution vor. um diese bezahlen zu können, erhob man steuern auf dem land, und verfügte die stadt zwangsanleihen bei der reichen bürgerschaft. soziale unruhen waren die folge, während denen österreich ein letztes mal zu intervenieren versuchte. vergebens, in der stadt fribourg setzte sich die savoyerpartei durch, die durch die unterwerfung der stadt unter den herzog im westen den erlass der kriegsschulden erwirkt hatte. bern reagierte erbost, sah aber unter druck der eidgenossen ein, dass es besser war, freiburg mit diplomatischen denn mit militärischen mitteln zum einlenken zu bewegen. 1454 erneuerten beide städte ihr bündnis aus dem jahre 1403, mit dem man die früheren streitigkeiten um gümmenen und laupen beendet hatte.

bern vs. savoyen
was auf dem ersten blick für freiburg vorteilhaft aussah, entpuppte sich nur wenige jahre später fast zur falle. denn als die herzöge von burgund unter karl dem kühnen ansetzten, ein neues mittelreich zwischen dem kaiser in wien und dem könig in frankreich zu formen, schlossen sie ein allianz mit savoyen gegen die eidgenossenschaft. freiburg, mit beiden kriegsparteien verbündet, musste sich entscheiden – und schlug sich auf die seite der eidgenossenschaft. schon 1460 hatte man sich den nachbarn im osten angeschlossen, als diese den habsburgischen thurgau eroberten.

doch jetzt war die lage gefährlicher. denn habsburg war nur noch formell im spiel. faktisch ging es darum, ob sich freiburg ost- oder westwärts verbünden und damit weiterentwickeln sollte. mitentscheidend war auch, wer die kriegerische auseinandersetzung gewinnen sollte: die eidgenossenschaft oder die burgundische allianz. wäre letzteres geschehen, hätte sich freiburg in der allianz der sieger zur mittlerstadt burgundischer interessen im mittelland emporschnellen können.

doch es kam anders. die eidgenossenschaft besiegt den kühnen herzog vor den toren murtens, mit ihm auch die yolanda von savoyen, die herzogin, die aus der ferne zuschaute. und freiburg befand sich auf der seite der sieger, als der burgunderherzog richtung morges von dannen zog.

es verwundert es nicht, dass die murtenschlacht 1476 und das stanser verkommnis 1481 zu den wichtigsten wendepunkte der stadtgeschichte zählten. denn die stadt wurde ende 1481 in der innerschweiz als neunter stand in die eidgenossenschaft aufgenommen.

man kann es auch so sagen: mit dem freiburgerkrieg mitte des 15. jahrhunderts hatte sich die stadt in eine schwierige lage gebracht. denn mit habsburg kam es zum bruch, den man nur mit bündnissen gemeinsam mit savoyen und bern überwinden konnte. hätten sich die bündnispartner vertragen, wäre freiburg brückenstadt zwischen beiden spätmittelalterlichen territorialmächten gewesen. so geriet die stadt zwischen die fronten, was eine entscheidung verlangte. dabei pokerte freiburg hoch – und gewann letztlich!

der murtenlauf, heute zum 80. mal ausgetragen, erinnert genau an diesen kritischen moment in der freiburger geschichte.

stadtwanderer

stadtgolfwandern

Oktober 5, 2013 | Leave a Comment

stadtgolfwandern soll 2014 zum festen bestandteil meiner stadtwanderungen werden. einen tag kreuz und quer durch die stadt fribourg ist angesagt, mit geschichte und golflöchern.


gepielt werden soll eine auswahl der stadtgolflöcher, abwechslungsweise zu orten der stadtgeschichte

“hä?”, antworteten mir followerInnen wie @motzella diese woche, als ich per twitter die hauptprobe des stadtgolfwanderns ankündigte.

die erklärung ist furchtbar einfach: stadtgolfwandern ist eine zusammensetzung aus stadtgolf und stadtwandern. letzteres sollte meinem publikum bekannt sein. es ist denken mit den füssen, die einen durch die stadt tragen, während sich dem geistigen auge meist anhand von quartirgrundrissen, hausfassaden oder strassenzügen die geschichte eröffnet.stadtgolf wiederum kann man meines wissens momentan nur in fribourg spielen. eigentlich ist es eine mischung aus golf und minigolf. gespielt wird golf, die distanzen sind aber kleiner. und, es findet nicht im grünen des landes, sondern in der stadt statt, namentlich dort, wo es grünflächen hat. stadtgolfwandern, so die idee, ist die verknüpfung von geist und gefühl. denn ohne letzteres geht kein ball in kein loch, und ohne ersters erschliesst sich keinem die historische kulissen beim stadtgolfen.

wie gesagt, am donnerstag war die hauptprobe. seit zwei monaten trage ich die idee mit mir rum, das erwähnte kombi anzubieten. was erwartet die teilnehmerInnen? – eine tagestour durch fribourg, ein mittagessen in der lauschigen unterstadt. 6-7 stationen stadtgolf, und ebenso viele zwischenhalte, um etwas über die stadt und ihre umgebung zu erfahren.

mein verhältnis zu fribourg ist speziell, denn es ist meine geburtsstadt. im vorschulalter sind meine eltern jedoch weggezogen, seither habe ich im baselbiet, im aargau, in zürich und in bern gelebt. seit einige jahren zieht es mich auch wieder nach fribourg. die stadt, der ich länger auf distanz blieb, hat sich stark geändert hat, dass man sie selbst mit kinderheitserinnerung glatt neu entdecken kann.

wer nach fribourg kommt, merkt schnell, wie wichtig die mehrsprachigkeit (geblieben) ist, spürt den katholizismus, und kann das kleinstädtische mit den händen greifen. man kennt sich, man sieht sich, und man tauscht sich ohne umstände aus. das macht einen teil der lebensqualität fribourgs aus, ist aber auch für die soziale kontrolle verantwortlich.

wer sich in der altstadt aufhält, fragt sich wohl, was wann und von wem gebaut wurde? von der gründungsphase im 12. jahrhundert, der zähringerzeit, sieht man ausser dem stadtgrundriss kaum mehr etwas. so steht die zähringrburg nicht mehr, und die häuser im kern der altstadt sind mehrfach erneuert worden. geblieben sind dagegen zahliche monumente der dem 13. jahrhundert der kyburgerzeit: die frühen klöster, die ersten brücken und die anfänge der stadtbefestigungen. an die habsburgerzeit erinnert die namentlich kathedrale, unter könig rudolf I. begonnen, aber erst 200 jahre fertiggestellt. das fribourger rathaus aus dem 16. jahrhundert erinnert an das ende der feudalen fremdherrschaft, den beitritt des stadtstaates zur eidgenossenschaft. das kunsthitorische museum, der ratzehof, steht für die renaissance, die frankreich und das soldwesen bestimmten, während das collège saint michel den einfluss der gegenreformation unter pater canisius symbolisiert. schliesslich kann man den bahnhof aus dem 19. jahrhundert als anschluss fribourgs an den bundesstaat interpretieren, und die universität miséricorde als verbundenheit zur katholische welt rund um den globus.

lange suchte ich nach orten für den schmerzhaften beitritt fribourgs zum bundesstaat. einfach war das nicht. denn die eidg. truppen des sonderbundskrieges standen ausserhalb der stadt, als diese kapitulierte; und das theater, in dem sich die radikalen freiburgs sammelten, um 10 jahre die herrschaft über die stadt und den kanton auszuüben, ist schon lange kein theater mehr, sondern das alte gebäude der hauptpost. arrangiert hat man sich in fribourg erst spät mit dem freisinnigen bundesstaat: seit 1919 stellte der kanton vier bundesrätInnen, drei aus den reihen cvp, den jetzigen aus jene der sp. so konservativ die jean marie musy und jean bourgknecht waren, so weltoffen gaben und geben sich joseph deiss und alain berset.

das ist typisch, denn aus der provinzstadt wird heute ein urbanes zentrum mit einer rasch wachsenden agglomerationsbevölkerung, die allterdings in hohem masse wegpendelt, um in bern oder lausanne einer arbeit nachzugehen. und so wäre das portrait fribourgs unvollständig, würde man nicht auf das neue in der stadt eingehen: das centre zum einkaufen, l’équilibre mit dem (neuen) theater und die poyabrücke, eben erst im rohbaubau fertiggestellt. all das soll platz haben im künftigen tagesausflug.

eines braucht es für diese tour: gute stadtschuhe und etwas kondition. denn nicht nur die geschichte der stadt ist durch auf und ab geprägt, auch die topografie, die dem gemeinwesen seinen trutzigen geist in fremder umgebung verliehen hat, ist eine herausforderung für wandererInnen. treppen hatte es überall und zuhauf!

meinen gästen will ich die entwicklung dieses zentrums des schweizer katholizismus aus der vergangenheit bis in die gegenwart zeigen, das durch wolle, söldner und käsefondue berühmt wurde. ein paar persönliche eindrücke solle nicht fehlen, die tour aber nicht bestimmen. und wem das zu kopflastig ist, der kann sich mit dem stadtgolfen zwischendurch entspannen.

ein bisschen neugierig war man diese woche schon, was ich da vorhabe. so kamen die freiburger nachrichten gleich mit auf die probewanderung; am montag soll das feature von färe, meinem twitter follower @fcalislar erscheinen!

gesucht sind gruppen von 5 bis 15 personen, die 2014 einen samstag lang mit mir stadtgolfwandern wollen!

interessentInnen wenden sich an den

stadtwanderer

kaum ein kanton hatte so mühe, sich in den frühen bundesstaat einzuordnen, wie fribourg/freiburg. ein buch zur geschichte des staatsrates im nachbarkanton erhellt, was aus den streitparteien geworden ist, und es lässt erahnen, was daraus werden könnte.

1846 tritt fribourg dem sonderbund bei. der beschluss des kantonalen parlaments macht die separat-eidgenossenschaft der katholisch-konservativen orte, die von der innerschweiz ausging, überhaupt erst bekannt. nur ein jahr später lösen die truppen der tagsatzung den sonderbund, teils mit drohungen, teils mit waffengewalt auf. in allen kantonen setzen sie liberale regimes ein, die den übergang zum bundesstaat auf der basis der verfassung vom 12. september 1848 vorbereiten sollen. danach gab, auf bundesebene die fdp den ton an, bis sie die katholisch-konservativen, die bauern und bürger aus der mitte und die sp in ihr regierungssystem intergrierten. erst die polarisierung der letzten 20 jahre hat die vorherrschaft der fdp ins wanken gebracht; ihr droht 2015 die marginalisierung mit nur einem bundesratssitz.

in der freiburger geschichtsschreibung greift man zu grossen lettern, wenn man die gründungsphase des bundesstaates umschreibt. von jakobinern, französischen revolutionären der radikalsten sorte, ist die rede, um die anfänglich rein freisinnige regierung des kantons ins licht zu rücken. was 1847 provisorisch begann, hatte 1848 eine parlamentsmehrheit hinter sich, und dauerte knapp 10 jahre. 1856 machten sich veränderungen bemerkbar, denn die radikalen und konservativen näherten sich einander an. von 1857 bis 1862 regierte eine neue, konservativ-liberale regierung, danach eine rein konservative.

prägende figur dieser hoch-zeit war georges python, 1886 in den staatsrat gewählt, aus dem er 1927 demissionierte. fast 32 jahre prägte er die freiburger regierungsgeschäfte fast uneingeschränkt im geiste einer christlichen republik. freiburg hatte damals seinen kardinal in rom und bekam sein cardinal im bierglas. mehr noch: gegründet wurde 1889 die universität fribourg, mit der man katholischen studenten aus der ganzen schweiz eine ausbildung in theologie, jurisprudenz und ökonomie jenseits des vorherrschenden, reformiert-bürgerlichen geistes, eröffnen wollte.

nach dem ersten weltkrieg nahm strahlkraft der christlichen republik ab: 1921 ging man von der parlaments- zur volkswahl der freiburger regierung über, um sachte die demokratisierung der regierungsarbeit einzuleiten. und nach dem zweiten weltkrieg öffnete sich die parteien- und regierungslandschaft schritt für schritt.
die fdp erhielt 1946 einen zweiten sitz im staatsrat, 1952 wurde die bgb am regierungsgeschäft beteiligt und 1971 folgte die sp.
1981 wählten die freiburgerInnen erstmals eine frau in die kantonsregierung, 1996 folgte der erste parteilose und 2011 die erste grüne. gleichzeitig mit diesen änderungen verlor die zur svp mutierte ehemalige udc ihren regierungssitz. mit dem rücktritt von isabelle chassot, diese jahr zur obersten kulturchefin der schweizerischen eidgenossenschaft berufen, geht es erstmals auch um eine mögliche linke mehrheit im kanton freiburg, eine herausforderung, die von cvp bis svp aufgenommen wird.

das buch zur freiburger regierungsgeschichte, unter der leitung des freiburger historikers georges andrey entstanden, ist faktenreich. alle 96 staatsrätInnen, aber auch alle kanzler des staates freiburg haben ein kurz-portrait bekommen, wenn vorhanden mit bild ergänzt. einfache analysen der familiären hintergründe belegen die demokratisierungsabsichten, die namentlich mit der volkswahl des staatsrates fortschritte gemacht hatte. denn in der christlichen republik freiburg stammt noch die hälfte der staatsräte aus den reihen der familien, sie aus tradition politik betrieben hatten; das sank danach rasch ab, verbunden mit der verpflichtung, die arbeit im staatsrat direkt und angemessen bezahlen zu müssen.

francis python, heute professor für zeitgeschichte an der freiburger universität, hat das illustrative vorwort zur 2012 erschienen nachschlagewerk geschrieben. er gliedert die regierungsgeschichte in sechs phasen:

. die konkliktreiche alternanz, von der gründung des bundesstaates bis zum ausbruch des kulturkampfes 1871,
. das zeitalter der konfessionalisierung der politik (bis 1881),
. die zeit der dynamischen konervativen mehrheitspolitik (bis 1921),
. die vorsichtige öffnung danach (bis 1946),
. die zeit der umstrittenen mehrheitspolitik (bis 1981) und
. die zeit des pluralismus (bis heute).

ganz im sinne des amerikanischen forschers robert dahl fragt er, wer freiburg regiere? dem vorbild der politikwissenschaftlichen regierungsanalyse folgend, kommt er zum schluss, aus der “mon-archie” mit einem machtzentrum sei auch im kanton freiburg eine poly-archie” mit mehreren solchen geworden.

verloren haben dabei die zur cvp mutierten katholisch-konservativen. ihre vormachtstellung während der wende vom 19. zum 20. jahrhundert sei verschwunden, gewichen einer neuen dynamik, die nicht mehr vom konservativen zentrum her komme, sondern von den politischen polen. die ersatzwahlen in den staatsrat vom letzten sonntag, die in einem patt endeten, sind ein beredeter ausdruck hiervon.

am 13. oktober 2013 wissen wir mehr, denn entweder rettet sich die bürgerliche mehrheit im pluralismus, oder aber es kommt zu einer neuen phase mit einer rotgrünen mehrheit. je nachdem müsste das buch um neues kapitel in der freiburger staatsratsgeschichte erweitert werden.

stadtwanderer

morgen wird die sp schweiz 125 jahre alt; ein guter zeitpunkt, ihre kürzeste geschichte zu schreiben.

die sp schweiz hat zwei verschiedene wurzeln, die internationale arbeiterbewegung, und den schweizerischen arbeiterbund, der rund um die volksabstimmung zum ersten schweizerischen fabrikgesetz von 1877 seinen höhepunkt hatte. 1888 wird die eigentliche sozialdemokratische partei der schweiz gegründet. erster präsident ist alexander reichel, rechtsprofessor an der universität bern. erste aufgabe ist die verbesserung der lage der arbeiter. politisch bleibt man eine aussenseiterpartei. erfolgreicher sind die grütlivereine, die nie zu einer partei werden.

nach der gründung gibt sich die oppositionspartei ein streng marxistisches programm. am ende des ersten weltkrieges organisiert sie den viertägigen landesstreik mit, die erste grosse kampfansage an den freisinnigen bundesstaat, die mit militär aufgelöst wird. drei streikforderungen werden in den nachfolgenden knapp 100 jahren politische karriere machen: das proporzwahlrecht, die sozialpolitik und gleichstellung von frau und mann.

die nationalratswahlen 1919 bringen der sp einen beachtlichen sitzgewinn. doch die partei spaltet sich danach, in eine reformistische mehrheit und eine revolutionäre minderheit, die im in- und ausland eigene wege gehen wird. noch glaubt man an der untergang des kapitalismus, und man bereitet sich mit selbsthilfe unter arbeitern auf die zeit danach vor. denn der bürgerliche staat ist unerreichbar weit weg.

mit der weltwirtschaftskrise und der äusseren bedrohung in den 30er jahren ändern sich die ansichten. die „diktatur des proletariates“ wird aus dem sp-programm gestrichen; und das militär wird anerkannt. das erhöht die akzeptanz der sp im bürgertum. mit der richtlinienbewegung sucht man die nähe zum mittelstand, der von der sparpolitik bedroht wird. schliesslich setzen metallindustrielle und der smuv die sozialpartnerschaft durch; jetzt verzichtet man auf den streik als kampfmittel. dafür wird man in die politische entscheidfindung miteinbezogen.

1930 erreicht die sp bei den nationalratswahlen 28,7 prozent – es ist und bleibt der rekordwert. drei jahren später ist die sp erstmals in kantonregierungen vertreten. in genf findet man linke mehrheiten über volkswahlen; in bern setzt sich 1938 die proportionale aufteilung der regierungsmacht mit bürgerlichen parteien durch. 1943 zieht mit ernst nobs erstmals ein sp-vertreter in den bundesrat ein. seit 1959 hat die sp dank eines bündnisses mit der katholischen volkspartei zwei vertreter im siebenköpfigen bundesrat. die sp ist eine jetzt minderheit in der regierung, die ihre anliegen durch sachpolitische allianzen mit anderen parteivertretern durchbringen muss.

die frühe nachkriegszeit wird durch zwei themen geprägt: die einführung der ahv und der ausbau der infrastruktur. die rede ist vom bundesrat tschudi-zeitalter, der sichtbaren fortschritt mit altersversicherungen und autobahnen dank wirtschaftswachstum bringt. der ökonomische aufstieg lässt einen teil der arbeiterschaft verbürgerlichen, die 68er-generation aber die frage nach dem sinn des lebens in der konsumwelt stellen. von nun an unterscheidet man generationen innerhalb der linken.

1971 erhalten die frauen in der schweiz das stimm- und wahlrecht. 12 jahre später möchte die sp die erste bundesrätin stellen. doch der plan geht in der bundesversammlung nicht auf. die erboste sp-parteispitze erwägt den gang in die opposition. die delegiertenversammlung entscheidet anders. man bleibt regierungspartei und setzt sich für die vertretung beider geschlechter im bundesrat und politischen behörden ein. 1991 unterstützt die sp den frauenstreik, der die umsetzung der gleichberechtigung beschleunigen will. nach einer turbulenten wahl wird 1993 ruth dreifuss erste sp-frau im bundesrat. das neue jahrtausend eröffnet sie als erste bundespräsidentin der schweiz. ursula koch wird drei jahre zuvor erster sp-parteipräsidentin. christiane brunner ist ihre nachfolgerin.

1992 stellt sich die sp vor die europa-politik der bundesrates: der eu-beitritt ist das ziel, die beteiligung am ewr der erste schritt. schon dieser misslingt in der volksabstimmung. für die sp eine niederlage. gemeinsam mit der fdp befördert sie die bilateralen als schweizerischer weg in die europäische integration. 2002 gelingt auch der uno-beitritt; bei der lancierung der volksinitiative sind sp-vertreterInnen vorne dabei. die aussenpolitische öffnung beflügelt die sp, gleichzeitig auch die svp, die zur hauptgegnerin wird und viel schneller wächst.

die umweltfrage befördert die absichten der sp auf einen ökologischen umbau der wirtschaft, schafft aber auch raum für alternative lebensentwürfe. mit den grünen entsteht eine neue partei, die partnerin in sachfragen und konkurrentin auf dem wählerInnen-markt ist. bei den nationalratswahlen 1987 erreicht die partei mit 18,4 prozent ihren rekordteifstwert. in den 90ern wächst rotgrün mehr und mehr zusammen, und wird die allianz elektoral stärker, bis die grünliberale aufkommen und sie bremsen. heute ist die sp die führende partei der grossen städte, auf dem land verliert sie aber an rückhalt. ihr wählerInnen-anteil stagniert selbst während der globalen finanzmarktkrise. nur die jungsozialistInnen profitieren von der veränderten wirtschaftslage und fordern mit frecher politik nicht nur die schweiz, auch die etablierten sozialdemokratInnen heraus.

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ps: mehr dazu hier im beitrag der srf tagesschau.

club politique heisst die neue vereinigung der politikdienstleister in bern. sie trafen sich diese woche erstmals, um sich mit bundesrätin eveline widmer-schlumpf zu unterhalten, wie es um das politzentrum bern in der globalen welt stehe.

politische clubs haben ihren ursprung in der aufklärung. das bürgertum, von königen und fürsten geknechtet, raisonnierte so über die eigene lage. in aller regel traf man sich unter seinesgleichen, und man tagte oder nächtigte unter ausschluss der öffentlichkeit. jacques necker, weiland finanzminister von könig louis xvi., war ein prominenter und den pionieren, der enttäuscht den staatsdienst quittiert hatte, sich in coppet bei genf niederliess und eben diesen republikanischen geist in die schweiz einführte.

seit gestern hat auch bern einen club politique. einer tradition folgend, die sich zwischenzeitlich in vielen europäischen hauptstädten etabliert hat, versammelten sich im schweizerhof politdienstleister aller art zu einem ersten treffen. geladen hatte reto nause, berner gemeinderat, um das politzentrum bern zu profilieren; gekommen war seine „liebe eveline“, unsere finanzministerin, um ausgesprochen kompetent über die zukunft des bankenplatzes schweiz zur referieren. das fatca-abkommen, der us-bankendeal und das bankgeheimnis nach aussen und nach innen waren ihre grossen stichworte. bezogen auf den bankenplatz war widmer-schlumpf zuversichtlich, denn dessen chancen sah sie auch ohne weitreichendes bankgeheimnis intakt. skeptischer gab sie sich bezüglich der innenpolitische lage. die realität der globalisierung sei in den köpfen der meinungsmacherInnen in der schweiz noch nicht angekommen. statt analytisches raisonnement, was nötig und gut für die schweiz sei, herrsche rhetorische polemik und aufregung über personen vor.

die anschliessende diskussion machte eines deutlich: politikerInnen verschiedenster couleur wissen nicht mehr, wer die schweizer wirtschaft vertritt. statt markanten persönlichkeiten, die forderungen stellten und kompromisse schmiedeten, gäbe es heute zahlreiche interessenvertreter, die partikuläre ziele verfolgten, kaum verhandlungsspielräume hätten, und bisweilen unzuverlässige partner in anzustrebenden entscheidungen seien, äusserte eine ex-nationalrat.

eveline widmer-schlumpf wurde noch deutlicher: das politsystem der schweiz basiere auf kompromissen, um nachhaltiges wirtschaften jenseits des politischen kleinkleins zu ermöglichen; diese wiederum sichere politische stabilität wohlstand für alle. dieser grundlegende mechanismus sei jedoch gestört, einmal von aussen mit hartem druck auf die schweiz, sodann von innen mit viel aktivismus ohne orientierung.

victor schmid, kommunikationsberater in bern, der elegant durch die veranstaltung führte, gab mir, ganz unvorbereitet, die möglichkeit zu einem schlusswort: “vertrauen und gemeinschaft” war das mir übetragene thema. spontan kamen mit drei bilder in den sinn; das vom ewr, mit dem die nussschale schweiz aufgebrochen wurde, die ausgelöste verunsicherung gross war und 8 jahre brauchte, bis mit den bilateralen eine neue gemeinsame basis gefunden werden konnte; das vom umbau des bundesrates durch die wahl von christoph blocher statt ruth metzler resp. von eveline widmer-schlumpf anstelle von christoph blocher, was tiefe wunden unter politikerInnen hinterliess; und das von der neuen insel schweiz, die in der globalen brandung stand zu halten versucht, erfolgreich, aber isoliert ist. die beiden ersten bilder standen für mich für verlorenes vertrauen, das dritte für eine neu entstehende gemeinschaft mit mehr unterstützung für die schweiz, ihre institutionen und magistratspersonen, als man sich landläufig erzähle. leistungsseitig würde die föderalistische, direktdemokratische und kollegial geführte schweiz ausserordentliche leistungen hervorbringen, während der medial-parteiische komplex im lande in zyklen den untergang der schweiz prognostiziere.

untergegangen sind, beginnend mit der französischen revolution, zahlreiche der damaligen monarchien. die citoyens und citoyennes, die daran arbeiteten, habe ihre diskreten politischen clubs längst verlassen und bilden die basis der heutigen öffentlichkeit. doch suchen die finanzminister heute wie damals die nähe gleichgesinnter, um sich über den stand der dinge in der welt zu vergewissern. anders als damals ist die heutige diagnose ist nicht revolutionär, aber kritisch; wie damals kommt sie in leisen worten daher, aber grundsätzlich.

davon braucht bern mehr, um im politzentrum der schweiz einen neuen republikanischen geist entstehen zu lassen.

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eine kleine wanderung durch das berner dorf ringgenberg. anlass, den wandel der herrschaft vom kaiser zur stadt bern im oberland zu rekonstruieren.


burg und kirche ringgenberg vom brienzersee aus gesehen

1310 soll er in rom gewesen sein. 1328/9 ebenfalls. das erste mal war er mit könig heinrich vii., dem luxemburger, unterwegs; das zweite mal begleitete er könig ludwig, den wittelsbacher. beide herrscher kehrten als kaiser über die alpen zurück und bedankten sich bei ihrer treuen gefolgschaft mit reichslehen, deren verwaltung man ihnen überliess. das brachte reichtum in die gegend.

johannes von ringgenberg, von dem hier die rede ist, blieb der nachwelt als hochmittelalterlicher spruchdichter in erinnerung. 17 verse sind in der manesse handschrift, dem berühmtesten werk zum damaligen laienliedgut, überliefert. die urteile über die qualität der dichtung von johannes gehen weit auseinander. im 14. jahrhundert galt er in ulrich boners fabelsammlung als grosses vorbild seiner zeit, während ihn die allgemeine deutsche biografie ende des 19. jahrhunderts als unfähigen plagiator wahrer minnesänger darstellt.

heute war ich in ringgenberg, die burg besichtigen – oder was davon noch steht. der hügel, gut sichtbar über dem brienzersee, war mir aus der ferne bekannt. dennoch war ich bis jetzt nie vor ort gewesen. wie man den inschriften entnehmen kann, wurde sie wohl 1380 zerstört; danach wurde sie jedenfalls nicht mehr gebraucht. im 17. jahrhundert baute man über einem teil der ruine ein barockkirche, die heute noch als gotteshaus dient. darin gedenkt man mit einem grossen schild den herren von ringgenberg für ihre zeit auf der burg.

150 jahre herrschten die herren von ringgenberg über das obere aaretal. ihre ursprünge dürften in raron im wallis und brienz im bernbiet liegen, von wo aus sich ein führendes adelsgeschlecht über diverse alpentäler ausgebreitet hatte. die zähringer haben sich 1211 an ihnen die zähne ausgebissen – bei ihrem versuch, einen eigenen weg nach süden über die grimsel und den griespass zu erschliessen. doch an den herren von raron kamen sie nie vorbei. ende der eroberungen!

die herren von ringgenberg treten erst danach urkundlich in erscheinung. cuno, der grossvater von johannes, liess die burg ringgenberg um 1230 erbauen. kurz darauf ist er als reichsvogt im dienste von kaiser friedrich ii. bezeugt. der befand sich im streit mit dem papst um die vorherrschaft im reich. höhepunkt der krise war der versuch des weltlichen oberhauptes, die oberitalienischen städte für sich einzunehmen, die traditionellerweise dem kirchlichen gehöhrten. genau deswegen wurde der kaiser 1245 auf dem konzil von lyon mit dem kirchenbann belegt. moralisch war er damit erledigt; wo sein militär hinreichte, hielt es sich aber bis zu seinem tod 1250. und danach setzte das interregnum ein, die sog. kaiserlose zeit.

das alles machte die wege von nord nach süd interessant, aber auch unsicher. von den von ringgenberg wird berichtet, dass sie auch die schadburg ausserhalb ringgenbergs errichtet hätten, um sie als kerker zu verwenden; für alle, die den handel zwischen interlaken und brienz stören wollten. ob die burg je fertig gestellt wurde, weiss man nicht so genau; die quellen berichten von fehden, die cunos arbeit und leben beendet hätten.

was nun folgt hat nicht einfach einen faden: es ist das pelle-melle des chaos, aus dem eine neuen herrschaft in der peripherie entsteht.

wenn es um reichsfragen ging, war man in ringgenberg nicht alleine. denn das nahe gelegene kloster interlaken war eine reichtsgründung aus dem 12. jahrhundert. 1224 kam es unter die schrimherrschaft der stadt bern. zu zeiten könig rudolf i. dehnten sich auch die habsburger in die alpentäler aus; alles was einmal dem reich gehört hatte, sollte an den könig gehen. rudolfs sohn könig albrecht verfolgte die gleichen ziele, was ihm verschiedene feindschaften gerade auch im oberen aaretal einbrachte. 1308 gingen die von ringgenbergs einen burgrechtsvertrag mit bern ein, der gegen habsburg gerichtet war; fortan hauste man auch in der aarestadt, und man war mitglied des dortigen grossen rates.

die königliche gefolgschaft setzte wohl unter den söhnen von johannes gleichen namens ein, weshalb bisweilen unklar ist, wer was machte. jedenfalls waren man nun ein rittergeschlecht, und folgte man den kaiseraspiranten. im lokalen gümmenen- und laupenkrieg zwischen bern und habsburg zeigte man sich neutral, was wohl weise war. denn anders als die weissenburger im benachbarten simmental, die für ihre unterstützung des habsburgischen freiburg militärisch angegriffen wurden, blieb man in ringgenberg von berner überfällen verschont. dennoch, bern übernahm spätestens in den 1330er jahren die führende rolle im oberen aaretal. das reichtsland hasli ging mit dem frieden im gümmenenkrieg an die stadt, und auch das untere simmental erhielt einen berner landvogt.

mitte des 14. jahrhunderts setzte die wütende pest allen in der region zu; die rede ist, dass beide söhne von johannes von ringgenberg zwischen 1348 und 1350 verstorben seien. 1380 erhoben sich die bauern rund um den ringgenberg gegen die alte herrschaft, was das ende der burg und des geschlechts deren von ringgenberg bedeutete.

meinerseits habe ich heute ein höchst anschauliche lokalgeschichte kennen gelernt, deren architektonische, literarische und politische spuren noch sichtbar den brienzersee überragen und das dorf ringgenberg kennzeichnen. irgendwie erinnterte mich das ganze an eine spannende diskussion, die ich am freitag im zug hatte. damals ging es um zerfallene staaten und lokale strukturen, die entstehen. von denen sagt man, dass sie nicht durch grosser herrschaft, aber durch eine organisierte anarchie bestimmt würden. genauso wie in ringgenberg, als die macht des kaisers zerfiel, und sich ringgenberger, interlakner, habsburger und berner um eine neues modell der lokalen vorherrschaft bemühten.

stadtwanderer

das ist ein angebot für interessierte schlachtenbummler, die gerne auch eine friedenspfeife rauchen.

ein artikel in der lokalpresse, während meinen ferien in schweden erschienen, hat meine nachträgliche aufmerksam gefunden. demnach wollen rechtsradikale jugendliche 2014 vor ort den helden der schlacht von laupen gedenken.
das will und kann ich der sog. “heimatbewegung”, wie sich die militanten jugendgruppen aus zürich und basel nennen, nicht überlassen. die schlachten der eidgenossen sind ein teil unserer geschichte; zur heroisierung taugen sie nur, wenn man sie aus dem kontext reisst und ideologisch überhöht.
um genau das zu verhindern, ist das konzept zur nachstehenden, ganztägigen rundreise (zu fuss und per bus) entstanden. sei hat sieben stationen, zwischen freiburg und bern, und will erklären, warum es zur schlacht in laupen kam, was die folgen waren, und wie die geschichtswissenschaft die bedeutung für die werdende eidgenossenschaft sieht.


territoriale entwicklung der herrschaft im raum der (heutigen) schweiz, von den zähringern (um 1200), über die habsburger (1315) bis zur eidgenossenschaft (1474), karten: sidonius

das zentrale stichwort ist nicht ehre der ritterlichen krieger, vielmehr ist es die territorialbildung der städte. ursprünglich unter den zähringern vereint, werden freiburg und bern gegner, der sie stehen unter dem einfluss der habsburger resp. der savoyer. bern schüttelt die oberaufsicht schneller ab, und entwickelt rund um sich herum ein territorium, das teilweise auch von freiburg beansprucht wird. von 1298 bis 1340 kommt es zu einer langen fehde zwischen den beiden städten, verstärkt durch den adel und die eidgenossen, sodass selber der kaiser intervenieren muss.
bern geht aus den kämpfen als sieger hervor, freiburg nähert sich dem zwischenzeitlich eidgenössisch gewordenen ort nach 1403 an, und bis 1467 bereinigt man die gemeinsame grenze. die gemeinen herrschaften über die grasburg und murten sichern das kooperative vorgehen, sodass freiburg auf vermittlung berns 1481 mitglied der eidgenossenschaft wird. die eroberung der waadt 1536 ist das letzte gemeinsame projekt, denn die wege des reformierten berns und des katholischen freiburgs werden hinfort verschieden sein, bis die brücke von grandfey gebaut wird und die eisenbahn, später auch die autobahn eine neuerliche nähe zwischen den beiden städten begründet.

hier das programm mit weiteren informationen.

1. station freiburg altstadt

kurzer rundgang durch die altstadt von freiburg, um zu erahnen, wie die stadt in ihrer gründungszeit aussah.
im unterschied zu bern gelingt es freiburg bis 1478 nicht, eine reichsstadt zu werden, die sich selber entwickeln kann; sie bleibt eine stadt unter feudaler führung, die von den zähringern zu den kyburgern zu den habsburgern schliesslich zu den savoyern wechselt. ursprünglich ist sie die (führende) frontstadt unter den zähringerorten; schliesslich verliert sie den kampf mit bern und fügt sich in ihren verbund ein, der sie zur eidgenossenschaft führt.

einige eckwerte:

1157 gründung durch die herzöge von zähringen, dekanat der stadt über 26 umliegende gemeinden bilden den kirchlichen hintergrund der stadtherrschaft
1218 aussterben der zähringer, freiburg kommt durch erbgang an die grafen von kyburg
1245 bündnis zwischen freiburg und bern
1263 aussterben der kyburger, gründung von neu-kyburg durch heirat der kyberger erbin mit einer seitenlinie der habsburger
1264/7 grafenkrieg zwischen den grafen von savoyen und den grafen von habsburg; besetzung durch habsburg
1266 freiburg widersteht der savoyischen belagerung
1270 bündnis freiburgs mit habsburg
1277 kauf der stadt freiburg durch könig rudolf I.; freiburg bleibt bis 1452 habsburgisch
1403 freiburg erneuert das bündnis mit bern
1423 kauf der grasburg mit freiburg, gemein(sam)e herrschaft der beiden städte
1446/8 freiburg liegt im krieg mit savoyen und bern
1452 freiburg wird savoyisch und entgeht so einer kriegsschuld
1454 bündnis freiburgs mit bern, grasburg gemein(sam)e herrschaft
1467 mit der landmark zwischen bern und freiburg sind die grenzen zwischen den beiden städten bereinigt
1474/7 freiburg beteiligt sich im burgunderkrieg auf eidgenössischer seite
1475 murten wird von bern und freiburg als gemein(sam)e herrschaft verwaltet
1478 savoyen verzichtet auf freiburg, reichsstadt
1481 freiburg wird (mit solothurn) mitglied der eidgenossenschaft
1524 freiburg entscheid sich, beim alten glauben zu bleiben
1536 gemeinsame eroberung der waadt durch bern und freiburg

mehr zur geschichte freiburgs

2. station: löwenberg

im grafenkrieg, zwischen savoyen und habsburg ausgetragen, ging es um das gebiet zwischen aare und saane, das reichsland war, und durch drei reichsburgen, je eine in gümmenen, laupen und grasburg gesichert war. der krieg brach 1264 aus, als die kyburger ausstarben, und ende 1267 mit dem friedensschluss in löwenberg. er sah vor, dass die savoyische wittwe des letzten grafen von kyburg ihre güter zu lebzeiten nutzen konnte, danach jedoch an habsburg fallen sollten.

1259 richard of cornwall, römisch-deutscher könig, überträgt die reichsrechte über gümmenen dem haus savoyen
1263 tod von hartmann dem jüngeren von kyburg, könig richard zieht reichslehen ein
1264 tod von hartmann dem älteren von kyburg, ehefrau margareta aus dem haus savoyen als erbin
1264 savoyen besetzt payerne, murten und bern, habsburg freiburg; savoyen erobert grasburg, laupen und gümmenen, kann sie aber gegen habsburg nicht halten
1265 savoyen besetzt romont, habsburg burgdorf, beide sichern sich so ihren weg zu ihren verbündeten
1266 savoyen belagert freiburg erfolglos
1267 savoyen erobert erneut laupen; friede von löwenberg: margareta, die kyburger wittwe kann eigengut behalten, die reichslehen gehen nach ihrem ableben aber an habsburg, das die vormundschaft über ihre tochter anna übernommen hatte
1268 tod von graf peter ii. von savoyen
1273 graf rudolf iv. von habsburg wird römisch-deutscher könig

mehr über den grafenkrieg

3. station oberwangen “dornbühl”

der standort der burg von wangen ist erst 1935 durch zufall entdeckt und 2011 sind die grundmauern wiederhergestellt worden. rund um diese burg gab es das erste militärische auseinandersetzung zwischen bern und freiburg, das gefecht am dornbühl. danach zerstört bern verschiedene ritterburgen, die zu nahe an der stadt gelegen waren und unter freiburgischem einfluss stand.

wenige eckwerte müssen hier genügen:

1298 fehde zwischen freiburg und bern; militärisches treffen am dornbühl in oberwangen von freiburg und den freiherren von belp-montenach einerseits, bern/solothurn anderseits; sieg der berner; zerstörung der burgen von wangen, geristein (bolligen) und belp
1308 friedensvertrag zwischen bern und freiburg

mehr zur geschichte der burg in oberwangen

4. station burg und stedtli gümmenen


fantasievolle darstellung von gümmenen vor der zerstörung (tschachtlan-chronik) weder schloss noch stedtli gümmenen aus dem mittelalter stehen heute, man weiss aber, wo alles war. genau da machen wir halt.

die anfänge von gümmenen liegen im dunkeln, dennoch einige eckwerte:

1259 freiherr peter von der waadt, verwandter des königs, übernimmt die königliche rechte über gümmenen
1264 savoyen und habsburg besetzen gümmenen nacheinander
1267 savoyen besetzt gümmenen vor friedensverhandlungen erneut, savoyen kann gümmenen zu lebzeiten von wittwe margarete behalten, danach gehen die rechte an habsburg
1282/3 könig rudolf I. erzwingt die rückgabe gümmenens ans königreich, übergabe an die herren von maggenbach, eine freiburger landadelsgeschlecht
1319 freiburg erwirbt burg und stedtli gümmenen samt des nahe gelegenen dorf mauss von den herren von maggenbach; belehnung der ritter von vuippens, ab 1325 unsichere rechtsverhältnisse
1331 gefecht von gümmenen zwischen freiburg/habsburg, unterstützt von den herren von weissenburg, und bern/solothurn um die vorherrschaft im grenzgebiet der beiden städte; sieg berns, zerstörung von burg, stedtli gümmenen und dorf mauss
1333 friede von königsfelden, vermittelt durch königin agnes: bern muss auf gümmenen verzichten, erhält dafür aber freie hand im oberen aaretal
1448 gümmenen wird bernisch,
1450 bau der ersten holzbrücke
1454 rückgabe gümmenens an freiburg
1467 dörfer gümmenen und mauss werden bernisch, tausch gegen bösingen bei laupen

mehr zur geschichte gümmenens

5. station burg und stedtli laupen


schloss und stedtli laupen sind intakt geblieben, und bieten eine herrliche ein- und übersicht um eine pitoreskes anwesen.

einige eckwerte:

wahrscheinlich um 930 burggründung durch könig rudolf von burgund
1253 laupen wird wie freiburg kyburgisch
1264 nach dem aussterben der kyburger besetzen savoyen und habsburg laupen nacheinander
1267 laupen wird wieder savoyisch
1268 tod von graf peter ii von savoyen
1269 rückeroberung laupens durch graf rudolf iv. von habsburg, verwaltung durch herren von maggenberg resp. von fendringen
1275 stadtrecht durch könig rudolf I. nach bern vorbild
1300 einsetzung eines königlichen reichslandvogtes (freiherr von strassberg)
1301 bündnis der stadt laupen mit bern
1310 verpfändung der stadt durch könig heinrich vii. an bern, faktischer übergang an bern
1324 bern setzt in laupen einen eigenen landvogt ein
1339 der graf von valangin erklärt bern den krieg; schlacht von laupen zwischen freiburg mit einer grossen allianz (herzog von österreich, bischöfe von basel, lausanne und sitten, grafen von valangin, neuenburg, aarberg, nidau, freiherren von montenach) und der burgundischen (bern, solothurn, biel, murten, payerne, reichsland hasli, freiherren von weissenstein und blankenburgresp. innerschweizer eidgenossenschaft (uri, schwyz und unterwalden); sieg der eidgenossen
1340 nachträgliches gefecht auf dem schönberg bei freiburg
1340 friede von königsfelden, erneut von königin agnes vermittelt; habsburg anerkennt bern als vorherrschende lokalmacht im aaretal, laupen bleibt bernisch

mehr zur geschichte laupens

6. station grasburg


die grasburg war ursprünglich eine königliche festung im übergangsgebiet zwischen burgund und schwaben; sie steht heute noch. der besuch der erhaltenen burgruine hoch über der sense ist lohnenswert

die ursprünge der grasburg sind unbekannt, sie ist eventuell burgundisch; nach der auflösung des selbständigen königreichs burgund gehen die recht an den römisch-deutschen könig; die eckwerte sind:

vor 1218 zähringer übernehmen die reichsburg
1223 erwähnung eines ritters von grasburg
1239 erwähnung eines schultheissen von grasburg (grasburg als stedtli?), übergang an kyburg, zeit unbekannt
1264 savoyen, dann habsburg übernehmen die reichsburg, habsburg setzt verschiedene reichtsvögte aus den reihen der ritter von maggenberg, de corbères und de vuippens ein
1310 könig heinrich vii. verpfändet die reichsburg an graf amadeus von savoyen, der sie durch verschiedene ritter verwalten lässt; wegen der peripheren lage wird sie aber nicht mehr unterhalten
1423 zerfallene grasburg burg an bern und freiburg, die als gemein(sam)e herrschaft verwaltet wird

mehr zur geschichte der grasburg

7. station bern altstadt


abschliessender rundgang durch die altstadt von bern, um zu erahnen, wie die stadt in ihrer gründungszeit bis zur friedenschliessung mit freiburg aussah. anders als freiburg sichert sich bern 1218 den status einer reichsstadt; 1298 schüttelt sie die königliche führung ab. 1365 erhält die stadt das recht reichslehen selbständig zu erwerben; 1415 wird bern ein selbständiger reichsstand mit sämtlichen rechten. die stadt entwickelt verschiedene bündnispolitiken (burgundische eidgenossenschaft, allianz mit der innerschweizer eidgenossenschaft und den städtebünden am rhein und in schwaben) und entwickelt sich zum zentrum im westlichen mittelland.
mit ihrer rasch ausgreifenden territorialpolitik geht sie als siegerin aus dem konflikt mit kyburg und freiburg hervor.

einige eckwerte:

1191 gründung der stadt bern durch herzöge von zähringen, bau der stadt von der nydegg bis zytgloggenturm
1218 aussterben der zähringer, bern wird königsstadt
1245 bündnis zwischen freiburg und bern
1255 savoyen übernimmt schirmherrschaft über murten und bern, stadterweiterung durch savoyerstadt (bis käfigturm)
1288 belagerung berns durch könig rudolf I. scheitert
1289 herzog rudolf, könig rudolfs sohn, nimmt bern ein, ende der savoyischen schirmherrschaft, tod von herzog rudolf 1290
1293/4 neues stadtrecht für bern durch könig adolph, einsetzung eines königlich bestimmten schultheissen
1295 bündnis der stadt bern mit der stadt solothurn
1298 sturz des schultheissen, seither wahl des schultheissen durch die stadt selber, beginn der territorialpolitik durch erwerb von kirchenspielen und landgerichten, aufbau der burgundischen eidgenossenschaft
1323 erstes bündnis berns mit waldstätten, burgrecht mit burgdorf und thun
1327 vorübergehendes bündnis berns mit rheinischen städtebund
1330 bündnis berns mit savoyen
1331 fehde zwischen bern und freiburg um gümmenen; gefecht von gümmenen zwischen bern/solothurn und bern/habsburg, zerstörung der burg gümmenen
1332 gefecht von herzogenbuchsee, bern und solothurn besiegen freiburg/habsburg
1333 friede von königsfelden, vermittelt durch königin agnes, bern verzichtet auf gümmenen, bekommt aber freie hand im oberen aaretal
1334 baubeginn der plattform bei der leutkirche
1340 zweite stadterweiterung (bis zum christoffelturm, bei der heutigen heiliggeistkirche)
1341 erneurung des bündnisses zwischen bern und den waldstätten, aber auch mit habsburg
1348/9 pestjahre, bevölkerungswachstum stagniert
1350 erneuerung des bündnisses berns mit savoyen
1353 festes bündnis mit waldstätten, teil der (innerschweizer) eidgenossenschaft
1364 erneuerung des bündnisses berns mit savoyen und mit habsburg
1365 kaiser karl iv. anerkennt das bündnis berns mit der eidgenossenschaft, bern erhält das recht, reichslehen zu erwerben, kaufhaus in bern, beginn des überlokalen handels
1375 bern erwirbt aarberg und setzt einen landvogt ein
1384 käuflicher erwerb der städte burgdorf und thun nach erfolgloser belagerung, einsetzung je eines schultheissen
1386 eroberung der letzten besitzungen freiburgs im oberen aaretal und im seeland
1403 neues bündnis zwischen bern und freiburg
1405 freiburg hilft bern nach dem grossen stadtbrand
1415 bern wird reichssstand, eroberung des aargau, verdichtung der herrschaft in bernischen untertanengebieten durch twingherrschaften der stadt auf dem land
1446/8 bernisch-freiburgischer krieg
1454 erneuerung des bündnisses zwischen bern und freiburg
1467 mit der landmark zwischen bern und freiburg sind die grenzen zwischen den beiden städten bereinigt
1476 schlacht von murten, freiburg auf eidgenössischer seite, murten wird anschliessend von bern und freiburg als gemein(sam)e herrschaft verwaltet
1528 bern wird reformiert
1536 gemeinsame eroberung der waadt durch bern und freiburg

mehr zur geschichte berns

zur orientierung: die wichtigsten daten der eidgenossenschaft resp. des heiligen römischen reiches

1239 beginn der bündnispolitik angesichts der rechtsunsicherheit im kaiserreich
1291 bündnis der waldstätte
1332 bündnis der waldstätte mit luzern
1351/3 achtörtige eidgenossenschaft, bestehend aus uri, schwyz, unterwalden, luzern, zürich, zug. glarus und bern entsteht
1362/5 kaiser karl iv. anerkennt die bündnisse der reichsstädte zürich und bern mit den waldstätten
1393 sempacherbrief regelt die militärordnung, beginn der tagsatzung als wichtigster eidgenössischen institution
1415 eroberung des habsburgischen aargau und der grafschaft baden durch eidgenossenschaft auf anordnung von könig sigismund
1438/50 alter zürichkrieg endet mit der niederlage zürich
1454 vorhalte der bündnispolitik mit habsburg werden aus den bündnissen der eidgenosschaft getilgt
1474/77 burgunderkriege
1481 stanser verkommnis als neue rechtsordnung der eidgenossenschaft, freiburg und solothurn werden mitglieder der eidgenossenschaft
1499 schwabenkrieg, im frieden von basel erhält eidgenosschaft einen autonomen status im reich
1501 basel und schaffhausen werden mitglieder der eidgenossenschaft
1511 erbeinigung der eidgenossenschaft mit habsburg
1513 appenzell wird mitglied der eidgenossenschaft, 13örtige eidgenossenschaft steht
1516 bündnis der eidgenossenschaft mit frankreich

stadtwanderer

keine angst, ich werde nicht sportreporter. ich bleibe bei der politischen geschichte. heute geht es um das verhältnis der beiden zähringerstädte freiburg und bern nach dem aussterben der gründungsdynastie.

man weiss es, freiburg im üechtland ist eine zähringerstadt. bern auch. beiden gemeinsam ist, das sie gründungsstädte sind. ihre stadtgründer haben sie weitgehend aus dem nichts heraus erbaut, enstprechend gut sind die grundrisse der urstadt bis heute sichtbar.
freiburg war zuerst, auf dem felssporn über der saane, dann kam bern, in der grossen aareschlaufe. das prägte das anfängliche verhältnis: freiburg war wichtiger als bern, und freiburg hatte von beginn weg ein umland, die alte landschaft, die rund 20 kilometer rund um die stadt umfasste. genau das hatte bern nicht. denn das land links der aare gehörte dem kloster köniz. genau das sollte sich ende des 13. jahrhunderts und zu beginn des 14. jahrhunderts ändern. das kam so:

unterschiedliche herrschaftliche einbindungen

mit dem tod der zähringer 1218 kam freiburg zu den kyburgern, während bern königsstadt wurde. nach dem zerfall der imperialen macht in den 1240er jahren ging bern mit dem haus savoyen eine schirmherrschaft an. vor allem peter, freiherr der waadt, gleichzeitig earl of richmond, ursprünglich eine charismatischer kleriker, der in den weltlich stand gewechselt hatte und durch heiraten mit dem englischen königshaus verbunden war, betrieb zielstrebig machtpolitik, die sich im mittelland von westen nach osten spürbar machte. beim aussterben der kyburger in der manneslinie 1263 wähnte er sich bereits als neuen herr im ganzen plateau. gleiches tat sein gegenspieler, graf rudolf iv. von habsburg, denn das ende der kyburger aus winterthur eröffnete den herren des wasserschlosses bisher ungeahnte aufstiegsmöglichkeit. während einigen jahren lagen beide grafen im krieg um die vorherrschaft im aaretal, ohne das ein klarer sieger sichtbar wurde. so hielten sich die savoyer ab 1267 mit ansprüchen zurück, während rudolf 1273 römisch-deutscher könig wurde, der seine aktivitäten rasch in den osten des reiches, genauer gesagt nach wien, verlegte.
in diesem machtvakuum stiegen die zähringerstadt zu eigentlichen akteuren auf. doch hielt sie kein stadtherr mehr zusammen, und ach das bündnis von 1245 war durch die herrschaftlichen einbindungen ins savoyische und habsburgische wertlos geworden. das ganze spitze sich zu, nachdem könig rudolf verstorben war, und die kurfürsten adolph von naussau zum nachfolger kürten, der sich ganz auf die seite berns schlug. der stadt gab er ein neues stadtrecht, mit ein schultheissen seiner wahl, einem klein- und einem grossrat, die für politische entscheidungen zuständig waren.


das gebiet der schweiz um 1300

das gefecht am dornbühl
1298 brachen die spannungen aus, und sie führten zu einer fehde, die mehr als 40 jahre dauern und um im gebiet zwischen bern und laupen ausgetragen werden sollte. am anfang stand die absetzung von könig adolph, der durch albrecht, sohn von rudolf ersetzt wurde. freiburg nutzte diese wende in der reichspolitik
für einen ersten angriff auf bern. am dornbühl, bei oberwangen im heutigen könz gelegen, kam es zum ersten militärischen treffen. die habsburger stützten den angreifer, während sich bern mit der verbündeten stadt solothurn verteidigte. viel genaues weiss man nicht, was damals geschah. die berner chroniken vermelden aber eine sieg der berner. in der stadt bern kam es danach zu einem umsturz. der königliche statthalter wurde gestürzt, denn die eingesessenen familien fühlten sich nun stark genug, um sich als selbstständige reichsstadt aufzuführen und den schultheissen selber zu bestimmen. nun dehnte man sich auch aufs land aus: kirchenspiele und ortsgerichte im un mittelbaren umfeld kamen unter die herrschaft der stadt. das verhältnis zu freiburg blieb ungeregelt. frieden schloss man erst, als könig albrecht in königsfeld ermordert worden war und nicht mehr an der spitze des reichs stand.
neuerliche bewegung in das angespannte verhältnis kam, als sich ludwig iv, auch der bayer genannt, als nachfolger von albrecht durchsetzte. wie die innerschweizer auch, entschied sich bern, ludwig nicht zu anerkennen, sodass man 1223 ein gemeinsames schutzbündnis einging. 1224 kaufte bern laupen und man setzte im schloss an der sense einen eigenen landvogt ein – den ersten in der langen geschichte der herrschaftsausübung durch die stadt.

die schlacht um gümmenen
seit 1319 war freiburg ebenfalls durch kauf in den besitz den benachbarten gümmenen geworden; 1331 bracht zwischen gümmenen und laupen ein krieg aus, der eigentlich zwischen freiburg und bern betrieben wurde. die gümmenenpartei hatte sich die unterstützung durch habsburg gesichert, und auch die grafen von greyerz sowie die freiherren von weissenburg und von turn, beide im oberen aaretal begütert, waren auf ihrer seite. bern wusste die städte solothurn, biel und murten hinter sich. erneut siegten die berner, welche bei den kampfhandlungen die burg zerstörten, genauso wie die siedlung mauss nebst der burg.
königin agnes, die tochter albrechts, die nach dem tod ihres gatten, dem könig von ungarn, in königsfelden residierte, vermittelte den frieden 1334. gümmenen blieb freiburgisch, während bern die herrschaft über das aaretal zugesprochen wurde.
keine sechs jahre später brachen die kriegerischen handlungen erneut aus; diesmal sollte es um das schloss laupen gehen.

die schlacht um laupen
aus der rivalität von zähringerstädten war zwischenzeitlich ein eigentlicher krieg geworden. diesen erklärten die grafen von valangin 1339 als eröffnet, nachdem die herzöge von österreich, die fürstbischöfe von basel, lausanne und sitten, die grafen von neukyburg, greyerz, aarberg und nidau und die herren von montach mit der stadt freiburg ein burgundisch-habsburgisches bündnis eingegangen waren. ihren standen die burgundischen eidgenossen, bestehend aus den städten bern, solothurn, burgdorf, thun, murten und payerne gegenüberüber, verstärkt durch die freiherren von weissenburg und blankenburg und das reichsland hasli gegenüber. bern aktivierte das bündnis mit den innerschweizer eidgenossen erneut, sodass sich krieger aus uri, schwyz und unterwalden ebenfalls nach laupen begaben. das wiederum führte zur unterstützung von kaiser ludwig der burgundisch-habsburgischen partei.
10 tage lange belagerten die freiburger und verbündete schloss laupen. doch blieben alle angriffe erfolglos. am 11. tage wendete sich das blatt, denn aus bern eilten die burgundischen und innerschweizer eidgenossen herbei, und entsetzen die belager. auf dem bramberg, einem weiten hügelzug über über laupen kam es zu grossen schlacht, welche die berner allianz als sieger sah.
erneut vermittelte königin agnes einen frieden. diesemal sollte er (fast) von dauer sein. habsburg anerkannte hierbei bern als lokale macht im aaretal, laupen blieb bernisch, während freiburg die vorherrschaft der berner in der region akzeptieren mussten.
die laupenschlacht war in vielem entscheidend für die weitere entwicklung berns, denn 1353 verstetigte sich das bündnis mit denn innerschweiz eidgenossen. 1375 unterstützte die stadt die habsburger im guglerkrieg, bei dem es um ungelöste erbschaftsansprüche ging. erst 1382/4 im der auseinandersetzung zwischen kyburg und bern kam es wieder zu kriegerische handlungen, während denen jedoch die habsburger geschont wurde, einzig freiburg ihre letzten besitzung im oberen aare- und seetal verlor. zum finalen kampf gegen habsburg kam es 1415, als bern die eroberung der stammlande betrieb, und 1446/8 als man freiburg in ein weitgehendes abhängigkeitsverhältnis brachte, das den weg der stadt in die eidgenossenschaft 1481 ebnete.


spiezer chronik zur schlacht von laupen

erkennungszeichen im fahnemeer
namentich die schlacht von laupen führte aber auch zu einer neuerung, denn um die übersicht der kampfenden truppen zu bewahren, führten die innerschweizer eine fahne mit sich, mit zwei weissen streifen auf rotem grund; unsicher ist, ob auch die berner ihre wappen damals schon hatten, mit dem aufsteigenden bären auf gelbem streifen und rotem grund; im guglerlied, das 1375 in den kämpfen für habsburg gesungen wurde, wir es jedenfalls in der heute kannten form besungen.

stadtwanderer

konkordanz woher? konkordanz wohin?, heisst meine herbstwanderung durch bern.


ort des geschehens: berns altstadt, nach dem bau des ersten bahnhofs (um 1860)

die these zur modizifierten stadtwanderung durch bern habe ich während meinen sommerferien in schweden entwickelt. meinen leserInnen des stadtwanderers ist sie vielleicht bekannt, denn ich habe sie im juli hier schon mal präsentiert. sie lautet: konkordanz ist nicht an demokratien gebunden, wenn man sie im umfassenden sinne formuliert. vielmehr ist sie permanente die suche nach übereinstimmung, wo sie nicht einfach gegeben ist. gerade in kulturell segmentierten räumen bilden verschiedene formen der elitenkooperation das zentrale element der konkordanz. in der berner und schweizer geschichte hat man dazu verschiedenste institutionen entwickelt, wie die frühen adelsheiraten, (brücken)städte, die grossen räte, die tagsatzung der vergangenheit oder die kollegialregierung der gegenwart. damit nicht genug: auch die dezentralisierung der macht garantiert den regierten ihre identitäten entstehen oder bestehen lassen. formen des minderheitenschutzes, aber auch (sub)kulturelle freiräume bieten hierfür gewähr. in demokratien kommt hinzu, dass die proprotionalisierung der repräsentation trotz mehrheitsprinzip dafür sorgt, dass verschiedene bestandteile der gesellschaft miteinander existieren können.
wäre die gesellschaft des schweizerischen mittellandes homogen, wäre mein ansatz zur aufführung der geschichte ganz falsch. der rundgang durch die geschichte zeigt aber, wie kulturell vielfältig bern und die schweiz zusammengesetzt sind, wie genau das bisweilen auch herrschaftlich unterdrückt wurde, und wie es aber zeiten gab und gibt, in denen man die einheit in der vielfalt suchte, um daraus innere kraft zu ziehen.
genau das will ich mit meiner führung einmal durch die berner innenstadt, aber auch einmal durch die geschichte des berner raumes aufzeigen!

anbei das programm:

1. station: bärenpark
die raumzeit: was leistet das stadtwandern für geschichte und gegenwart?

2. station: untertorbrücke
vorgeschichte der stadt: die tiefgreifende kulturelle segmentierung des raums (443 bis 1191)

3. station: zähringerdenkmal
von der stadtgründung bis zum reichsstand: herzöge, könige und kaiser stabilisieren der herrschaft (1191 bis 1415)

4. station: rathaus
der grosse aufstieg: vom bündnis mit der eidgenossenschaft bis zur autonomie im kaiserreich (1323 bis 1499)

5. station: plattform
der grösste stadtstaat nördlich der alpen: territorialbildung und der stadt/land-konflikt im alten bern (1298 bis 1536)

6. station: münster
konfessionale spaltung, reformierte konsensbildung und die überwindung der grossen teilung der eidgenossenschaft (1528 bis 1712)

7. station: erlacherhof
revolution und reaktion: franzosen trennen stadt und land und begründen den kanton bern
(1798 bis 1834)

8. station: casino (vormals akademie)
bundesstadt im bundesstaat: vom aufbau des föderalismus‘, kollegialsystems und der direktdemokratie unter freisinniger herrschaft (1848 bis 1914)

9. station: hotel bern
die praxis der machtteilung: der proporz im national- und bundesrat in bundesbern (1918 bis 2007/8)

10. station: bundesplatz
politologische (zwischen)bilanz: geschichte und zukunft der konkordanz(demokratie)

die führungen dauern je nach gruppengrösse 2 bis 2,5 stunden. anschliessend wird ein apéro oder essen serviert. interessentInnen (nur gruppen) können sich bei mir melden.

stadtwanderer